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3-Fragen Interview

„Rausgehen und die Welt entdecken“

Familie Paule reist Anfang Oktober nach Kenia aus. Der gelernte Ergotherapeut und Gärtner Thomas Paule wird sich bei L'Arche Kenya Trust, einer Einrichtung für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen, in Nyahururu engagieren. Seine Mitarbeit wird von Comundo finanziert. Zurzeit wohnen Thomas und Linda mit ihrer Enkelin Jamaica in der AGEH und nehmen an Vorbereitungsseminaren teil.

Thomas, Linda und Jamaica Paule

 

Wie sah Ihr bisheriges Arbeitsfeld aus und wie ist es bei L'Arche Kenya Trust angelegt?

 

 

Thomas Paule: Die letzten acht Jahre habe ich als Arbeits- und Ergotherapeut in einer geschlossenen Psychiatrie in Nordrhein-Westfalen mit Drogen- und Alkoholsüchtigen gearbeitet. Davor lebten wir drei Jahre in Österreich, wo ich für die Lebenshilfe ein Arbeits- und Ausbildungsprojekt für Menschen mit Behinderung und schwer integrierbare Jugendliche mitaufgebaut habe.  Seit acht Jahren unterhält L'Arche Kenya Trust zwei Häuser und  Werkstätten, in denen 31 Menschen wohnen und arbeiten. Geplant ist, dass ich die Arbeitstherapie in den Werkstätten, einer Schreinerei, Bäckerei, Gärtnerei und Kerzenwerkstatt, ausbaue und die KollegInnen weiterbilde. Vorher werden wir gemeinsam analysieren, wo die Fähigkeiten und Schwächen die BewohnerInnen der Häuser liegen und mit ihnen danach ihre Wünsche für ihre berufliche Zukunft besprechen.

 

Was hat Sie und Ihre Familie motiviert, sich für die Stelle in Kenia zu entscheiden?

 

 

Thomas Paule: Wir spielten schon länger mit dem Gedanken als AGEH-Fachkräfte ins Ausland zu gehen. Meine Frau, ist Pflege- und Verwaltungsfachkraft und würde gerne weiter im Sozialen Bereich arbeiten.  Ausschlaggebend für die Entscheidung von Deutschland nach Kenia zu ziehen, war letztlich unsere Enkelin, die bei uns lebt. Als mir die  Stelle in Kenia angeboten wurde und wir sie dazu befragten, sagte sie begeistert: „Ja, ich möchte ‚Rausgehen und die Welt entdecken‘.“ Jamaica freut sich auf die internationale Schule und auf neue Freunde. Andere Länder und Menschen haben meine Frau und mich immer interessiert. Früher sind wir mit unseren drei Kindern als Rucksacktouristen nach Bali oder Thailand aufs Land gereist, um in den direkten Kontakt mit den Menschen zu kommen.

 

Welches AGEH-Seminar hat Sie während Ihrer Vorbereitungszeit am stärksten angesprochen?

 

 

Thomas Paule: Linda und mir hat das Seminar „Bewusst wie – Kulturbewusste Kommunikation“ am  besten gefallen. Die beiden Trainer waren sehr professionell und arbeiteten mit Methoden, die sehr konfrontativ und psychisch sehr fordernd waren. Das hatte einen interessanten Lerneffekt bei den Rollenspielen zur Folge. Meine Frau und ich halten uns für sehr offen und liberal. Doch beim Thema: „Wie sieht es bei mir mit Alltagsrassismus aus“, wurden wir bei den Rollenspielen im Kurs überrascht, dass dies nicht immer zutrifft.

 

Text/ Foto: Ursula Radermacher