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3 Fragen an Thomas Mecha

Vor der Ausreise nach Burundi
Thomas Mecha zu Besuch bei einer Gruppe von Menschen, die von der NGO "Cuo of cool Water" finanziell unterstützt wurden.

Zurzeit ist ZFD-Fachkraft Thomas Mecha in der AGEH in der „Warteschleife“. Der 28 Jahre alte Sozialwissenschaftler hofft darauf, dass sich die politische Lage in Burundi bis Ende August beruhig. Grund für die Verzögerung sind die massiven Proteste der Opposition und deren Verfolgung  durch den amtierenden Präsidenten nach den Wahlen.

 

Was haben Sie bei ihrem ersten Burundi-Aufenthalt  gemacht?

 

Thomas Mecha: 2014 konnte ich als Student ein sechsmonatiges Praktikum bei der kleinen lokalen NGO  „Cup of Cool Water“ machen. Die Organisation steht in engem Kontakt mit der lokalen Bevölkerung und ist zu verschiedenen Themen aktiv.  Mir liegt diese Organisationsform sehr, weil ich durch deren „guten Draht“ zur Bevölkerung Land und Leute gut kennenlernte.  Dort habe ich beim Thema Wiederversöhnung und bei der Konzeption sowie Umsetzung der Homepage  mitgearbeitet Beim Methodentraining von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen habe ich Workshops der NGO zu Konfliktanalyse, PME (Planning, Monitoring, Evaluation) und konfliktsensibler Arbeit (Do no harm) durchgeführt.


Studenten, die von der NGO unterstützt wurden.

Welches Studium haben Sie absolviert und warum wollen Sie im ZFD arbeiten?

 

Thomas Mecha: Seit meinem 19. Lebensjahr interessieren mich der ZFD und die Friedensarbeit. Nach dem Abitur machte ich meinen Zivildienst als Missionar auf Zeit in Kenia bei den Comboni-Missionaren. Das hatte jedoch nichts mit Missionieren zu tun. Als Jugendkoordinator in einem Slum arbeitete ich eher wie ein Sozialarbeiter. Danach begann ich mein Studium der Sozialwissenschaften, dem sich ein Master der Friedens- und Konfliktforschung anschloss. Für meine Masterarbeit zum Thema „Bedeutung von Vergebung im Wiederversöhnungsprozess“ forschte  ich 2014 in Burundi. Über drei kleine lokale Organisationen bekam ich Kontakt zu Opfern des Bürgerkrieges von 1993 bis 2005, die „ihren“ Tätern vergaben. Diese Vergebungsprozesse laufen im Privaten ab. Die Organisationen begleiten die Opfer  mit Gesprächen, sind aber nicht bei dem Opfer-Täter-Gespräch dabei. Das ist eine intime Sache zwischen zwei Menschen. Vergebung oder Reue kann man nicht einfordern, sie werden gewährt.


Privater Besuch bei Familienmitgliedern des Koordinators der NGO.

Wo werden Sie in Burundi arbeiten und wie wird Ihre Tätigkeit aussehen?

 

Thomas Mecha: Im Süden Burundis gibt es in der Diözese Bururi eine J&P-Commission, bei der ich beraten und ausbilden werde. Bururi ist ein kleines Städtchen auf dem Lande. Da die Kommission eigentlich nur aus zwei hauptamtlichen Mitarbeitern besteht, ist es wichtig deren Kapazitäten zu stärken. Das andere große Thema, bei dem ich mitarbeite, sind Landkonflikte. Sie sind sie ein großes Problem in Burundi, das durch zurückkehrende Bürgerkriegsflüchtlinge, unklare Besitzverhältnisse sowie Landknappheit insgesamt entstand. Mittels Mediation sollen Lösungsansätze gesucht und eine klare rechtliche Situation mit Landtiteln geschaffen werden. Burundi ist eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde.  Wie das vorhandene Land besser genutzt werden kann,  zeigt  Ruanda, das  ähnliche Probleme hat. Dort führte die Terrassierung zur besseren Ausnutzung.

 

Interview: Ursula Radermacher, Fotos: Thomas Mecha