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Als AGEH-Fachkraft mit action medeor in Malawi

Apothekerin organisiert Medikamentenversorgung
Die Warenlagermanagerin Lonely Jane Jenala und der Kundenbetreuer/Clinical officer Chimwemwe Kateka stellen einen Kundenauftrag per Computerliste zusammen. Dabei überprüfen sie Verfallsdatum sowie Chargennummer.

Susann Held ist Apothekerin. Doch „ihre“ Apotheke steht nicht in einer deutschen Stadt, sondern mitten in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Es ist auch nicht wirklich ihre Apotheke, sondern eine Filiale der Organisation action medeor. Die NGO aus Tönisvorst bei Krefeld betreibt als nicht-profit orientierter pharmazeutischer Großhändler Niederlassungen in Tansania und Malawi. So soll die notleidende Bevölkerung mit dem Wichtigsten versorgt werden. Ursprünglich sollte Susann Held ein Medikamentenlager im Südsudan leiten, doch daraus wurde Malawi, wo sie seit 2015 lebt.

 

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

 

 

Susann Held: Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Morgengebet und danach planen wir als Team die Arbeit für den Tag. Zusammen mit sieben einheimischen Kollegen organisiere ich den pharmazeutischen Großhandel.  Das Team ermittelt den Bedarf der Kunden, zu denen Hospitäler, Krankenstationen, NGO’s gehören. Außerdem suchen wir langfristige oder einmalige Unterstützer für diese Gesundheitseinrichtungen. Wir importieren die Medikamente von Lieferanten aus Kenia, Indien, Südafrika, China und Europa, die zuvor von action medeor qualifiziert wurden. Regelmäßig überprüfen wir die Lagervorräte, holen Angebote ein, organisieren Transport und Zollangelegenheiten. Damit geht eine Menge „Papierkram“ einher und stets gibt es  Überraschungen und Abwechslung, denn von der Bestellung bis zur Anlieferung per Schiff und LKW kann ein halbes Jahr vergehen.

 

Was sind die Aufgaben Ihrer Kollegen und Kolleginnen?

 

Susann Held: Zum Team gehören ein Apotheker, ein Buchhalter, zwei Kundenbetreuer und eine Warenlagermanagerin. Ein Fahrer/Büroassistent und drei Wachleute unterstützen uns. Mein Kollege, der Apotheker Rajab Lawe, kümmert sich unter anderem um die bürokratischen Anforderungen seitens der lokalen Aufsichtsbehörde (Pharmacy and Poisons Board of Malawi). Rajab Lawe ist zuständig für die Qualität der Medizinprodukte und hat die Aufsicht über das Medikamentenlager. Meine Kollegen und  ich beraten unsere Kunden auch in pharmazeutischen Fragen, z.B. wie man eine Krankenhausapotheke managt oder es vermeidet, unwirksame Kombinationen von Medikamenten zu verordnen. Außerdem geben wir Anregungen und Wünsche der Menschen vor Ort an action medeor weiter, die dieses Wissen bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit oder Spenderwerbung nutzen.

 

Wie ist die Situation in Malawi?

 

Susann Held: Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, ist hochverschuldet und hat Einnahmen nur aus der Landwirtschaft, vor allem dem Tabakanbau. Hier macht sich auch der Klimawandel bemerkbar, der extrem starke oder ausbleibende Regenfälle nach sich zieht. Das Gesundheitswesen ist wenig entwickelt und staatlicherseits unterfinanziert. Wichtig sind deshalb kirchliche Einrichtungen, die staatliche Aufgaben übernehmen und die Bevölkerung vor allem im ländlichen Bereich versorgen.

Die Stromproduktion im Land ist vom Wasserstand der Flüsse abhängig, was regelmäßige Stromabschaltungen nach sich zieht. Der fehlende Strom führt zu vermehrtem Patientensterben, auch bei Neugeborenen, da lebensrettende Geräte nicht dauerhaft betrieben werden können.

 

Foto: action medeor/ Boris Breuer, Text: Ursula Radermacher