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AIDS-Beratung in Sambia

Spontanität schlägt Routine
Regina Jesse im Gespräch mit einem Patienten

Menschen, die an HIV/AIDS erkrankt sind, werden in Sambia unter anderem von der Ranchhod Community Services and Hospice (RCSH) betreut. Das ist eine lokale Nichtregierungsorganisation in der Provinzhauptstadt Kabwe. 2011 wurde sie unter Mithilfe der AGEH-Fachkraft Regina Jesse gegründet. Sie betreibt in Kabwe unter anderem ein Kinderzentrum, ein Hospiz mit 21 Betten und ein Zentrum für Familienplanung. Regina Jesse berichtet, wie ihr Arbeitsalltag dort aussieht. Ihre Mitarbeit wird von COMUNDO finanziert.


Tägliche Teambesprechung

Routine gibt es selten

 

Mein Arbeitstag beginnt morgens um acht Uhr im Hospiz mit einem gemeinsamen Gebet mit den Kollegen. Alle Krankenschwestern und freiwilligen Pflegehelfer, sogenannte caregiver, treffen sich zur Dienstübergabe vom Nacht- zum Tagdienst. Wir besuchen die Patienten, besprechen nötige Therapien und planen den weiteren Tag: Wer muss zum Röntgen oder zur Physiotherapie ins Krankenhaus, wer zum Health Center, um seine Medikamente abzuholen? Das ist die einzige wirkliche Routine in meinem Tag.


Im Krankenwagen: Regina Jesse begleitet eine Patientin zur lokalen Klinik

Alles andere verlangt mir viel Spontanität ab, denn oft bringt ein einziger Telefonanruf meinen geplanten Tagesablauf durcheinander. Mal braucht das Pflegepersonal meine Beratung bei Versorgungsproblemen schwieriger Wunden, bei der Schmerzbehandlung, der Versorgung unterernährter Kinder oder ich muss mit der Koordinatorin und der Sozialarbeiterin administrative Fragen klären. Es kommt vielleicht unerwarteter Besuch oder es wird spontan ein wichtiges Meeting angesetzt.

 

Manchmal bin ich als Fahrerin mit der Ambulanz unterwegs und bringe Patienten in die lokalen Kliniken oder in das Krankenhaus, dann wieder mache ich Einkäufe und hole Medikamente ab. Ein anderes Mal müssen wir uns im Team um Notfälle kümmern, ein neues Baby ins Programm aufnehmen oder Ersatz für eine erkrankte Großmutter suchen, die AIDS-Waisen betreut und vieles mehr. Darüber hinaus will ich als Mentorin auch Raum für einen regelmäßigen Austausch unserer internationalen Volontäre schaffen. Wie schnell ist ein Tag, bei all diesen Aufgaben, dann schon wieder vorbei!


Persönliche Beratung

Arbeitsalltag mit sehr vielen Facetten

 

Als ich 2010 nach Sambia kam, war nicht abzusehen, wie vielfältig meine Tätigkeit hier sein würde. Diese Vielfalt begeistert mich. Ich bin Projektberaterin, arbeite direkt am Patientenbett, leite das Pflegepersonal in Palliativpflege an, arbeite eng mit der Koordinatorin zusammen, kümmere mich um Fundraising und besuche Patienten im Gefängnis. Es ist spannend, in eine andere Kultur einzutauchen und zu erleben, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt. Schwierig ist das unterschiedliche Zeitempfinden. Man kann hier nichts planen. Häufig fordern uns auch die staatlichen Behörden mit Inspektionen heraus. Von ihnen wird unsere Arbeit nicht wirklich geschätzt.


Ein motiviertes und engagiertes Team

Als ich vor sieben Jahren als Fachkraft in Kabwe begann, hatte ich eine lokale Partnerorganisation, die für das Hospiz verantwortlich war. Aufgrund von Missmanagement musste sie bald alle Projekte schließen, auch das Hospiz. Um die Arbeit weiterzuführen, haben eine sambische Kollegin und ich mit engagierten Leuten und viel Unterstützung aus Kabwe 2011 eine eigenständige Organisation gegründet, die RCSH.

 

Sie ist fast komplett abhängig von Spenden und wird nicht staatlich unterstützt. Wir erhalten ein Drittel der nötigen Medikamente kostenlos vom District Medical Office, den Rest müssen wir bezahlen. Insgesamt haben wir 27 Mitarbeiter/-innen - von der Programmkoordinatorin bis hin zum Gärtner. Alle arbeiten als Volontäre und bekommen nur ein Taschengeld, das weit unter dem Mindestlohn liegt. RCSH bietet auch internationalen Volontären eine Einsatzmöglichkeit an, unter anderem von ADRA/Weltwärts und Comundo (HOPLAA).


Für Regina Jesse zählt der persönliche Austausch

Ständiger Kampf um ausreichende Finanzierung

 

Als wir 2012 das Hospiz und Kinderzentrum wiedereröffneten, war es nicht sicher, wie lange wir mit den sehr knappen Finanzen weiterarbeiten können. Bis heute haben wir zwar keine zuverlässige Finanzierung, aber immer genug Geld, um weiterzuarbeiten. Das liegt an den Guidelines und Kontrollmechanismen, die wir gemeinsam erarbeitet haben. Den Mitarbeitern gegenüber zeigen wir Transparenz, damit jeder versteht, wie es finanziell um unsere Organisation steht.

 

Es ist für mich ein großartiges Gefühl zu sehen, dass alle Projekte gut laufen und wie viel wir mit unseren wenigen Ressourcen bewirken können.

 

Text: Regina Jesse / Fotos: Comundo/Marcel Kaufmann