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Klimawandel und Bergbau verschärfen Wasserkonflikte in den Anden Peru´s

Als Geograf die Bevölkerung bei Alternativen zum Bergbau unterstützen

Cerro de Pasco. Offener Tagebau zur Förderung von Silber, Kupfer und Zink inmitten der Stadt.

Für die peruanische Regierung ist der Bergbau der Motor des peruanischen Wirtschaftswachstums. Sie fördert in den ländlichen Regionen große Bergbauprojekte, gegen die  die Landwirtschaft  und die Interessen der Lokalbevölkerung das Nachsehen haben. Das bestätigen auch Umweltorganisationen, wie das Netzwerk Red Muqui, die die Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung kritisieren.  „Langfristig  überwiegen die Schäden, die vor allem internationale Konzerne (z.B. aus den USA, Kanada, China,  der Schweiz) anrichten,  den Nutzen bei weitem. Auch deutsche Firmen  sind mit der Lieferung von Maschinen  beteiligt, “ berichtet AGEH-Fachkraft Mattes Tempelmann, der bei dem Umweltnetzwerk Red Muqui arbeitet.


Maxima Chaupe wird in Celendin auf einem Wandbild verehrt. Sie bewacht die Blaue Lagune, damit die Minengesellschaft dort nicht das Conga Projekt durchführt.

Das Wirtschaftswachstum, von dem nur wenige  im Land profitieren, hat seinen Preis. Vor allem die Bevölkerung in den Bergbauregionen leidet unter verschmutzen Wasser oder  der Vertreibung von ihrem Land. Eine, die sich dagegen wehrt, ist die Bäuerin Maxima Chaupe, die deshalb für viele als Heldin gilt „Sie gewann einen Prozess gegen das geplante Projekt Conga des mächtigen Bergbaukonzerns Newmont und verhinderte damit bisher die Goldförderung  neben ihrem Grundstück“, erzählt AGEH-Fachkraft Mattes Tempelmann.


Verschmutzter See und ehemaliges Trinkwasserreservoir in Cerro de Pasco. Die Rotfärbung des Ufers sind Kupferablagerungen.

Bergbau findet in Peru vor allem in hochgelegenen Andenregionen statt. Dort ist Wasser ein knappes und kostbares Gut. Die Bergbaukonzerne benötigen sehr viel Wasser und belasten es zudem mit giftigen Chemikalien. In einigen dieser Regionen Perus sind dort neben dem Bergbau durch das Abschmelzen von Gletschern auch die Auswirkungen des Klimawandels spürbar,. Der Druck auf das Wasser wird dadurch noch erhöht.


Mattes Tempelmann mit Roberto Lopez, einem engagierten Künstler und Hugo Blanco, einem Bauernführer aus den 60er-70er Jahren. Er machte sich für Landreformen stark.

Mattes Tempelmann  ist Geograf mit dem Studienschwerpunkt Entwicklungszusammenarbeit. Er kennt Lateinamerika  von Reisen nach  Ecuador und in die Nachbarländer. Diese Kenntnisse fließen in  seine Arbeit in der Hauptgeschäftsstelle von Red Muqui in Lima ein, wo er, finanziert durch die AGEH und die schweizerische Entsendeorganisation COMUNDO, arbeitet. Er lebt seit über einem Jahr mit seiner Frau Eva, die als Journalistin für Red Muqui arbeitete, und den beiden Kindern Jakob und Ronja in Lima. Beide Kinder besuchen begeistert eine peruanische Kita und die ganze Familie war dadurch schnell im Kontakt zu peruanischen Familien.


Suppenküche in einer Bauerngemeinde der Cordillera Blanca nach einem Informationsworkshop mit dem Red Muqui.

Red Muqui ist ein bergbaukritisches Netzwerk von 29 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, das ländliche Gemeinden unterstützt, die vom Bergbau und dessen Umweltfolgen betroffen sind. „Die peruanische Regierung fördert Wirtschaftswachstum durch Bergbau auf Kosten von Umwelt und Menschenrechten, doch das geht zulasten vieler armer Menschen. Sie hofften vergeblich auf Arbeitsplätze und verlieren stattdessen ihre lokalen Ressourcen“, meint Mattes Tempelmann.


Mattes Tempelmann mit Milton Sanchez, Mitglied einer sozialen Bewegung in Celendin, in der Nähe Cuscos. Im Hintergrund soll eine der größten Kupferminen Perus entstehen.

„Im Bergbau wird Gold, Kupfer, Zink und Silber mit hochgiftigen Chemikalien wie Zyanid aus dem Boden gespült. Dabei werden Erde und Trinkwasser verseucht“, sagt er und fügt  hinzu: „Die Bewohner der Dörfer im großflächigen  Einzugsbereich der Förderstätten haben oftmals hohe Quecksilber-und Bleiwerte im Blut, so dass Landwirte ihren Beruf aufgeben müssen, einige Kinder unter Konzentrationsstörungen leiden, und nicht selten die Tiere der Viehhirten mit Missbildungen geboren werden. Deshalb sind viele Dorfbewohner gegen den Bergbau“.


Partizipativer Kartierungs-Workshop in Accha zur Analyse von Alternativen.

Doch gibt es Alternativen? Die einzelnen Organisationen des Netzwerkes Red Muqui klären die Dorfbewohner über ihre Rechte auf und erarbeiten mit ihnen Vorschläge für Alternativen zum Bergbau. Mattes Tempelmann unterstützt diese Mitgliedsorganisationen, indem er zunächst per Fragebogen ihre drängendsten Themen erforschte: Menschenrechte, Alternativen zum Bergbau und Wasserschutz. Nun moderiert er Workshops zum Thema Partizipative Raumordnung und  Postextraktivismus. Letzteres meint  ein Entwicklungsmodell ohne intensive Förderung von Edelmetallen. Im Gegensatz dazu betreibt der Extraktivismus rohstoffverbrauchende, intensive Nutzungen wie Palmölanbau (für Biosprit und Kosmetik), Erdölförderung und Bergbau.


TeilnehmerInnen des Workshops zeichnen Umweltkonflikte und Lösungsvorschläge in die Karte ein.

Angekommen mit Kollegen in einem Dorf, startet Mattes Tempelmanns Part mit einer Zukunftswerkstatt. Dazu befragt er die Dorfbewohner, wie sie sich das Leben im Dorf  in zehn oder zwanzig Jahren vorstellen. Mit der Methode des partizipativen Kartierens bezieht er alle Bewohner mit ein.  Auf Gebietskarten zeichnen sie mit Farbstiften und mit Zeichen, ihre wichtigsten Naturressourcen, wie Wasserreservoire, Anbaugebiete, Weideflächen, Naturschutzgebiete, ein. Danach benennen sie die Umweltprobleme und zuletzt ihre Alternativen zum Bergbau. Dazu zählen die Mitbestimmung beim Zugang und der Verwaltung von Wasser und Land für Ackerbau und Viehwirtschaft, sowie der von den Gemeinden organisierte  Tourismus.

 


Zum Abschluss eines Workshops bilden die TeilnehmerInnen einen Kreis und schicken ihre Wünsche an die "Pacha Mama" nach dem Motto: Gemeinsam für ein würdevolles Leben im Einklang mit der Natur.

Die Methode ermöglicht einerseits, dass sich die Bewohner mit den Umweltproblemen  in ihren Gebieten auseinandersetzen und  sich überlegen, welche Entwicklung sie für ihre

Region möchten.  Andererseits muss den Plänen der Regierung etwas Konkretes entgegengesetzt werden, wenn das Fortschreiten des Bergbaus aufgehalten werden soll. Demonstrationen, Aktionen und Prozesse in der Vergangenheit, wie der von  Maxima Chaupe  zeigen, dass dies möglich ist.

Beim Klimagipfel in Paris ist auf dem parallel stattfindenden alternativen Klimagipfel auch eine NGO aus dem Netzwerk Red Muqui dabei. Hier werden Vorschläge jenseits des ungebremsten Wachstums und für eine ressourcenschonende und die Bevölkerung einbeziehende Klimapolitik diskutiert und gefordert.

 

Text: Ursula Radermacher/Mattes Tempelmann, Fotos: Mattes Tempelmann