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Als ZFD-Fachkraft für Medienarbeit in Kolumbien

Filmklappe auf für die Umwelt

Der 30-jährige Soziologe Markus Ciesielski unterstützt die Jugendarbeit der Sozialpastoral Granada/ Kolumbien. Als ZFD-Fachkraft für Radio- und Advocacyarbeit fördert er die demokratische Beteiligung der Jugendlichen und die Friedensarbeit der Diözese Granada.

 

 

ZFD-Fachkraft Markus Ciesielski macht Radio- und Advocacyarbeit in der Sozialpastoral Granada in Kolumbien

Markus Ciesielski beobachtet Angie, die ein Mikrofon über den Kopf eines älteren Mannes schwenkt. Es weht ein starker Wind über der Wiese. Lautes Hundegebell und Vogelgezwitscher sind zu hören, so dass es schwer sein wird, eine Aufnahme mit  hochwertigem Sound einzufangen. Neben Angie sind weitere neun Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren auf Regie, Kamera, Tonaufnahme, Beleuchtung und Interviews konzentriert. Sie drehen einen Dokumentarfilm über ihren Ort El Castillo, in dem Erdölbohrungen stattfanden, die Umweltschäden hinterlassen haben.

 

Markus Ciesielski begleitete die Gruppe zwei Jahre lang bei der Produktion des Films “Wenn das Wasser entscheidet”. Die Jugendlichen leben in sehr prekären Zuständen und wohnen meistens in selbstgebauten Hütten. Markus Ciesielski war wichtig, dass die jungen Filmemacher einen Leitfaden und Methoden für die Interviews hatten. Für die Filmarbeiten mussten sie in entlegene Dörfer fahren. Die Straßen sind in der ganzen Region sehr schlecht. Einmal blieb der kleine weiße Bus, in dem die Jugendlichen reisten, im Schlamm stecken und musste mühsam wieder herausgezogen werden.

 


Im April wurde der Dokumentarfilm in der Kommune El Castillo vorgestellt.

Die erste Vorstellung des Films fand vor 150 Teenagern statt, die alle sehr beeindruckt waren. “Wie kann es sein, dass in einem kleinen Dorf ein Film über ein so relevantes Thema so professionell gedreht wird?”, fragten die gleichaltrigen Zuschauer. Markus Ciesielski ist sehr zufrieden mit dem, was die jungen Filmschaffenden gemeinsam mit der Sozialpastoral erreicht haben. Der Film hat seit seiner Veröffentlichung großes Interesse geweckt und im Oktober wird er beim renommierten Festival für Gemeinschafts- und Alternativfilme „Ojo al Sancocho“ in Bogota vorgestellt.

 

Das ist eine große Anerkennung für die jungen Filmemacher, denn sie wollen auf die Situation ihrer Kommune aufmerksam machen. Außerdem möchten sie die Menschen zu einer kritischen Haltung gegenüber Projekten, die Bodenschätze fördern, anregen. Auch auf die Folgen für Mensch und Natur möchten sie hinweisen. Immer mehr Gemeinden in Kolumbien stimmen gegen Bergbau und Erdölförderung. Im Film sprechen Aktivisten über die Notwendigkeit einer Volksbefragung, um die Möglichkeit zu erhalten, ein Veto gegen die Ölförderung in ihrem Gemeindebezirk einzulegen.


In der Kommune La Macarena wird der Dokumentarfilm vor Schülerinnen und Schülern im Mai 2019 vorgestellt.

Für Markus Ciesielski geht es weniger um die Vermittlung technischen Know-hows. Er sagt: “Es war wichtig, die Jugendlichen zu einem kritischen Denken zu bewegen und eigene Standpunkte auszuarbeiten”. Sie haben gelernt, wie sie auf kreative Art und Weise über ihre eigene Lebenswelt sprechen können und damit Verantwortung übernehmen und Veränderungen erreichen können. Jetzt stehen Angie und ihre Klassenkameraden selbstbewusst in Schulen und diskutieren Umweltfragen und soziale Probleme.

 

Anfang 2020 endet die Mitarbeit von Markus Ciesielski. Gerne würde er seine Gruppe in ein paar Jahren wiedertreffen, um zu erfahren, wie sie diese audiovisuelle Reise geprägt hat. Er wünscht sich, dass die Filmemacher eine Chance im Leben haben, vielleicht sogar an der Universität studieren. Sie sind in einem Alter, in dem man anfängt sich der Gesellschaft einzuordnen. “Ich hoffe, dass sie eine kritische Einstellung übernehmen und ein paar von den Verhaltensweisen die die älteren Generationen prägen, in Frage stellen”, meint Markus Ciesielski.

 

Text: Bianca Bauer, Fotos: Luis Carlos Forrero

 

Link zum Film (auf spanisch): http://lasdecisionesdelagua.dgc.org.co/