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PR-Arbeit im Kinderkrankenhaus

"Identität schärfen"
Livia Leykauf (vorne rechts) führt den Erzbischof von Freiburg durch das Caritas Baby Hospital

"Es war keine aktive Entscheidung 'in die Entwicklungshilfe' zu gehen. Die Stellenausschreibung hat mich angesprochen, das gesuchte Profil passte zu meinen Qualifikationen und die Region hat mich schon immer interessiert", erklärt Livia Leykauf, die seit gut zwei Jahren im Caritas Baby Hospital in Bethlehem arbeitet.

 

Die 48-Jährige ist dort für Fundraising, Medienarbeit und Kommunikation verantwortlich. Ihre Mitarbeit wird von der Kinderhilfe Bethlehem finanziert. Eine der großen Herausforderungen im Moment ist die Umsetzung der Strategie für die kommenden fünf Jahre. Ein Schwerpunkt dabei ist die lokale Öffentlichkeitsarbeit. "Im Team suchen wir nach Schritten, wie wir die Identität als einziges Kinderkrankenhaus in Palästina schärfen, das Spital in der Region besser positionieren und wie wir die nationale Spendenbereitschaft fördern können."


Im Spielzimmer können die Kinder für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen

Das Caritas Baby Hospital ist eine tragende Säule im Gesundheitssystem der Region. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 41.000 Kinder ambulant und 5.000 Kinder stationär behandelt. Das modern ausgestattete Krankenhaus wurde vor über 60 Jahren gegründet und zu 90% aus Spenden finanziert. Sie kommen zum Großteil aus der Schweiz, Deutschland und Italien. Die Familien der Patienten beteiligen sich mit einem symbolischen Beitrag an den Behandlungskosten, wenn ihre materiellen Verhältnisse das erlauben.

 

Gute medizinische Versorgung soll für alle zugänglich sein, unabhängig der finanziellen Möglichkeiten oder der Religionszugehörigkeit. Das war für den Gründer Pater Ernst Schnydrig genauso wichtig wie für die Verantwortlichen heute.


Eine Sozialarbeiterin geht zum Hausbesuch bei einer kleinen Patientin

Die Arbeit von Livia Leykauf im Caritas Baby Hospital ist sehr abwechslungsreich. Viele Pilgergruppen besuchen das Krankenhaus, sie möchten den Spitalalltag besser verstehen und sich aus erster Hand über die Situation in Bethlehem, in Palästina, informieren. Diese Begegnungen und Gespräche sind oft bereichernd, weil viele Menschen mit einer gewissen Vorstellung ins Heilige Land reisen und plötzlich einer anderen Realität gegenüberstehen. Gerade ältere Deutsche sind schmerzhaft berührt, wenn sie vor der acht Meter hohen Mauer stehen, die rund um Bethlehem und weite Teile der besetzten Gebiete führt. Da werden Erinnerungen wach und kommen Fragen auf. 


Entwicklungsminister Gerd Müller mit Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa

Neben der Arbeit mit den Gruppen gilt es, Artikel zu schreiben, Anträge zu formulieren, das Team zu führen und die Kontakte zu den Regionalbüros in Europa zu pflegen. Regelmäßig kommen auch bekannte Persönlichkeiten das Krankenhaus besuchen, sei es Entwicklungsminister Gerd Müller, Markus Lanz, Stanislaw Tillich oder Stephan Burger, der Erzbischof von Freiburg. "Diese deutschsprachigen Besuche optimal vorzubereiten liegt auch in meiner Verantwortung", erläutert Livia Leykauf. "Meine strukturierte, präzise und fordernde Arbeitsweise wird von meinen lokalen Kolleginnen und Kollegen mal sehr geschätzt, mal ziemlich genervt ertragen", lacht die gebürtige Hoferin.


Die Klinik-Clowns - eine willkommene Abwechslung

Sie ist eine von drei Ausländerinnen, die in dem Krankenhaus arbeiten. Die anderen 250 Mitarbeitenden sind Palästinenserinnen und Palästinenser. "Das ist ein sehr nachhaltiger Ansatz und wir lernen viel voneinander." "Ich staune immer," so die Diplomtheologin, die auch eine journalistische Ausbildung absolviert hat, "wie die Menschen den Alltag unter der Besatzung meistern." Von dem "Hinnehmen, was sich nicht ändern lässt", möchte sich die Kommunikations-Fachfrau gerne eine Scheibe abschneiden. Sie bedauert, dass sie nicht mehr Zeit für den Arabischunterricht hat, um so wirklich ins Gespräch mit den Menschen vor Ort kommen zu können. "Ich bin gerne in der Region und die Arbeit erfüllt mich. Der Austausch mit den Menschen hier und der Kontakt zu anderen AGEH-Kräften bereichern mich sehr", sagt Livia Leykauf.


Im direkten Kontakt mit den kleinen Patienten

Seit sie im Caritas Baby Hospital arbeitet, hat sich ihr eigener Blick auf die Entwicklungszusammenarbeit verändert. Sie ist überzeugt, dass sie mit ihrer beruflichen Erfahrung dazu beiträgt, dass vor Ort professionelle Weiterentwicklung geschieht. "Aber da gibt es noch die Zusammenarbeitsentwicklung. Durch die Zusammenarbeit in diesem Lebenskontext hier entwickle ich mich, menschlich und professionell."

 

 

Text: Livia Leykauf / Fotos: Bashir Qonqar, Meinrad Schade, Michael Maier, Caritas Baby Hospital, Livia Leykauf