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Als Pädagoge in Indonesien

"Gemeinsam Lehren lernen"
Jürgen Dornis bei der Arbeit

Die Insel Sumba gehört zu der indonesischen Provinz Ost-Nusa Tenggara und zählt zu den am wenigsten entwickelten Gebieten des Inselstaates. Das gilt ganz besonders für das Schulwesen. In diesem Bereich ist Jürgen Dornis im Auftrag von Misereor als pädagogischer Fachberater für die Lehrerausbildung tätig.


Jürgen Dornis mit Mitarbeitern und Dozenten

"Es bereitet mir Freude, die Erfahrungen, die ich 40 Jahre lang als Lehrer und Pädagoge gesammelt habe, an junge Kollegen weiterzugeben und dabei selbst noch weiter lernen zu dürfen." Jürgen Dornis lebt mit seiner Frau seit über zwei Jahren auf der Insel Sumba. Als pädagogischer Fachberater arbeitet er an der Hochschule STKIP Weetebula im Bereich der Lehrerausbildung und Erziehungswissenschaft. Es ist die einzige ihrer Art auf ganz Sumba.

Obwohl die STKIP erst seit drei Jahren staatlich anerkannt ist, studieren dort schon über 1000 künftige Lehrer. Sie werden von etwa 60 Dozenten in Vollzeit unterrichtet.


Der Bagger ist ein ständiger Begleiter der STKIP

"Unsere Hochschule entstand auf private Initiative der katholischen Schulstiftung YAPNUSDA und ist derzeit noch auf finanzielle und personelle Unterstützung angewiesen. Viele unserer jungen Lehrenden sind selbst noch nicht ausreichend qualifiziert; mehr als ein Viertel ist derzeit zur Weiterbildung  beurlaubt", erklärt Jürgen Dornis.

 

Belegt Indonesien in internationalen Vergleichsstudien wie PISA stets einen der hinteren Plätze, so bildet die Provinz Nusa Tenggara Timur, innerhalb des asiatischen Inselstaats, das Schlusslicht. Viele Schulen haben weder Strom noch Trinkwasser und sind auch über Mobiltelefon nicht erreichbar. An den Mittelschulen ist es nicht unüblich, dass ein Lehrer für 120 Schüler zuständig ist, von denen etwa die Hälfte noch nicht lesen und schreiben kann.


Lernen unterschiedlicher Unterrichtsmethoden

Jürgen Dornis, der vor seiner Zeit auf Sumba schon Lehrer in Papua-Neuguinea ausgebildet hat, arbeitet am "Institut für Unterrichtsentwicklung" der STKIP. Zu dem Team gehören noch eine deutsche Ordensschwester, drei einheimische Mitarbeiter/-innen sowie zwei Stellvertreter des Rektors in Teilzeit. Auch die Programmmanagerin von Misereor und ihre Stellvertreterin sind in die Arbeit involviert.

 

"Für unsere Dozenten führen wir Workshops und Seminare durch, zu denen wir teilweise auch Referenten von anderen Inseln einladen. An der STKIP arbeiten Angehörige verschiedener Religionen friedlich zusammen. Partizipative Unterrichtsmethoden sind auf Sumba noch weithin unbekannt, daher beraten wir die STKIP in Fragen des Unterrichts und der Organisation."

 

Dass ihre Arbeit Früchte trägt, spürt Jürgen Dornis in der unmittelbaren Umsetzung. "Die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen setzen viele Lehrende direkt in ihren Veranstaltungen ein. Andererseits  sind ihre täglichen Unterrichtserfahrungen Grundlage unserer Weiterbildungsangebote."


Begeisterte Studenten

Auch wenn es anfangs Schwierigkeiten bei der Verständigung gegeben hat und es manchmal immer noch nicht so einfach ist, sich mit unzulänglichen Infrastrukturen - trotz umfangreicher Investitionen - abzufinden, hat Jürgen Dornis schnell gemerkt: "Wenn die Dozenten von der Sache überzeugt sind, packen sie zu und stecken mich mit ihrer Begeisterung an. Sie wollen selbst weiter lernen und wollen den jungen Menschen Sumbas eine Perspektive geben. Dabei lassen sie sich nicht durch die widrigsten Umstände entmutigen, laut dem Motto: 'Bersama kita bisa' – Gemeinsam schaffen wir's."

 

Das galt zum Beispiel auch beim Umzug auf das neue Campusgelände. "Dort gab es zunächst für über 1000 Studierende nur eine Aula, einen Seminarraum und zwei Klassenzimmer aus Buschmaterial", erinnert sich Jürgen Dornis. "Wir hatten vier Toiletten, weder fließend Wasser, noch Internet. Es war Trockenzeit und der Wind fegte den Sand und den Staub der Steppe durch die noch fensterlosen Räume. Doch die Dozenten saßen mit Mundschutz an ihren Schreibtischen und haben die Semestereröffnung vorbereitet. Nur ein paar Tage später strömten Hunderte neuer Studierender in schwarz-weißer Schuluniform auf unseren Campus. Die jungen Frauen bewegten sich in ihren Pumps auf den holprigen und staubigen Feldwegen so selbstverständlich, als seien sie in der Einkaufsmall in Jakarta unterwegs."


Gruppenarbeit und Erfahrungsaustausch

Für Jürgen Dornis ist bei seiner Arbeit vor allem die Reform der schulpraktischen Ausbildung ein wichtiges Projekt. Künftige Lehrer/-innen sollen, neben ihrer fachlichen Ausbildung, auch frühzeitig praktische Unterrichtserfahrungen sammeln können. Dafür besprechen die Studierenden in schulpraktischen Seminaren mit Kommilitonen und Dozenten ihre geplanten Unterrichtsstunden. In diesem Kontext wird auch über alternative Unterrichtsmethoden und –planungen diskutiert.

 

"Nach der Unterrichtsstunde wird zusammen evaluiert. Das Schöne daran ist, dass wir gemeinsam lernen, zu lehren", resümiert Jürgen Dornis seine Arbeit als pädagogischer Fachberater an der Hochschule STKIP Weetebula.

 

Text und Fotos: Jürgen Dornis / Bearbeitung: Theresa Meier