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Engagement für besseren Unterricht an ägyptischen Schulen

Schön und hässlich zugleich
Hedda Gienger unterstützt als AGEH-Fachkraft Unterrichtsreformen an Schulen.

Die Qualität des Unterrichts in öffentlichen Schulen verbessern und die Kinder für entwicklungspolitische und gemeinnützige Ziele zu sensibilisieren: Das sind die Aufgaben, mit denen sich die Diplom-Pädagogin Hedda Gienger in ihrer täglichen Arbeit auseinandersetzt. Die AGEH-Fachkraft, deren Mitarbeit von Misereor finanziert wird, ist in Ägypten für die JBA – Jesuit and Brothers Development Association tätig.  „Ich arbeite mit verschiedenen Teams in den Organisationen, mit denen ich kooperiere“, erklärt Hedda Gienger. Bei dieser Arbeit gehe es in erster Linie um Themen im Bildungsbereich, wie die Frühförderung, um die Verbesserung des Schulunterrichts und um den Umgang mit Kindern, die stark vernachlässigt sind.


Kinder, die nicht zur Schule gehen, lernen Arabisch im informellen Unterricht.

„Mein Fokus ist ein Projekt,  das die JBA mit vier anderen Partnerorganisationen von Misereor in Assuan, Luxor, Minya und Kairo durchführt“, erklärt Gienger. „Wir arbeiten in Regierungsschulen und versuchen die Qualität der Bildung zu verbessern.“ Die Entwicklungshelferin begleitet die Partner, arbeitet eng mit ihnen zusammen und berät sie zu pädagogischen und didaktischen Themen. Darüber hinaus wird gemeinsam überlegt, wie die Menschen in den Schulen mehr und besser einbezogen werden können.


Ein Misereorpartner vor Ort engagiert sich für diesen Sozialbau in Minya und arbeitet mit den Kindern, die oft nicht zur Schule gehen oder die Schule abgebrochen haben.

„Die Qualität der Bildung, die hier in Regierungsschulen oder Kindergärten angeboten wird, ist nicht sehr hoch“, erklärt Hedda Gienger. Dafür gebe es unterschiedlichste Gründe. „Meine ägyptischen Kollegen kennen diese Probleme viel besser als ich und analysieren, warum diese Probleme existieren, und bauen darauf basierend Projekte auf“, sagt sie. Allerdings gebe es eine gewisse Entwicklungsarbeits-Routine. „Da werden immer die gleichen Aktivitäten auf die immer gleiche Art und Weise implementiert, ohne groß Rücksicht auf die spezifische Situation zu nehmen.“ Und genau dann helfe der Blick von Außen.


Kreativ werden: Für die Kleinen werden durch die Partner oft auch künstlerische Aktivitäten, wie z. B. töpfern angeboten.

Vieles habe sie mit ihrem Team erreichen können. „Ich denke, dass wir es geschafft haben, die Leute mehr zum Denken zu bringen, indem wir ihnen dafür mehr Raum gegeben haben“, berichtet sie und fügt hinzu: „Woran wir immer arbeiten, ist das Monitoring. Die Teams in fast allen Partnerorganisationen konzentrieren sich beim Monitoring sehr stark auf die einzelnen Aktivitäten, und das versuchen wir zu ändern. Im Bildungsprojekt haben wir unsere Planungs-, Monitoring- und Berichterstattungsinstrumente selbst entworfen, basierend auf unserem Verständnis, was Monitoring ist und wie es Sinn ergibt.“

Aber die Entwicklungshelferin habe auch einiges selbst lernen müssen. „Ein Kollege hat mir richtiges ägyptisches Arabisch beigebracht, mir das Bildungssystem in all seinen Details erklärt und mir unglaublich viel mitgegeben hat, was für die Arbeit in Schulen und Gemeindeorganisationen wichtig ist“, erzählt sie.


Hedda Gienger bei einem Workshop mit dem Entwicklungsbüro der katholischen Diözese in Minya.

Gienger lebt gerne in Ägypten. „Es ist unglaublich schön, unglaublich beeindruckend und vielfältig. Aber Ägypten ist auch hässlich, ungerecht und frustrierend“, erzählt sie und sagt: „Das Schönste sind die Menschen. Ägypter haben den Schalk im Nacken sitzen und an sich immer ein Glitzern im Auge. Und wenn man darüber nachdenkt, wie schwierig das Leben für viele hier ist, die Mehrheit lebt in Armut, weiß man das noch mehr zu schätzen.“ Andererseits seien die sozialen Unterschiede riesig und der Umgang damit schwierig. Hedda Gienger erzählt: „Wir leben in einem schönen, alten Vorort von Kairo: Cappuccino und Sushi sind hier Alltag und Ikea ist nur 20 Minuten von hier entfernt. Fahre ich dann zu einer meiner Partnerorganisationen, die in ärmeren Vierteln sitzen, oder besuche Partner in Minya, ist die Realität eine andere.


Lernen macht Spaß: Eine Partnerschule des Bildungsprojektes, das JBA mit anderen Partnern umsetzt.

Und noch eines sei schwierig: mit der unsicherer werdenden Lage im Land habe sich auch die Arbeit von Hedda Gienger verändert. „Leider ist es für mich als Ausländerin unmöglich geworden, in die Schulen zu kommen, da die Sicherheitsvorkehrungen in der Zwischenzeit sehr streng geworden sind. Vor anderthalb Jahren habe ich noch direkt in den Schulen gearbeitet mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Supervisorinnen und Supervisoren.“ Heute sei das anders. Dennoch mache ihr die Arbeit noch immer viel Freude.

 

 

 

Text: Daniela Lukaßen, Fotos: Hedda Gienger