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Tourismusförderung in Ecuador

Das Kochschiff am Rio Napo

Der Schweizer Koch David Höner lebt seit 25 Jahren in Ecuador. Mit der Schweizer Organisation „Cuisine sans Frontières“ unterstützt  er die indigene  Bevölkerung dabei ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und sich so ihren Platz in der Gesellschaft zu sichern.

David Höner erzählt von "seinem" Kochschiff.

In was für einem Projekt arbeiten Sie?

In erster Linie bin ich für die Programme der Schweizer Non-Profit-Organisation „Cuisine sans Frontières“ (CSF) im Napogebiet, im Nordosten Ecuadors verantwortlich. Wir arbeiten mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen. Mein Arbeitgeber ist die Stiftung „Alejandro Labaka“, die die Pater des Bistums Coca führen.

 

CSF unterstützt unabhängige, indigene Gemeinden entlang des „Río Napo“ beim Aufbau ihrer eigenen touristischen Infrastruktur. Dazu führen wir regelmäßig Kurse in den Gemeinden durch, bei denen Englischkenntnisse, Wissen über die Küche, den Service und die Buchhaltung vermittelt werden.  Die Teilnehmer/-innen erhalten ein Zertifikat der CSF. Das erhöht ihre Chancen auf eine Stelle auf dem lokalen Arbeitsmarkt der Provinzen Orellana und Sucumbíos.


Einfallsreich: der Bus ist auf dem Schiff fest geschweißt.

Grundsätzlich soll die einmonatige Schulung, die ein Lehrer der CSF unterstützt, das eigene touristische Angebot verbessern. Zudem vermitteln wir zwischen den einzelnen Gemeinden und koordinieren mit den Nachbargemeinden die Aktivitäten. Dazu unterhält die CSF ein Schulschiff auf dem Napo.

 

Die lokale Vereinigung der Kichua oder der Warani, also der indigenen Gemeinschaften, wählt die Gemeinden aus, in denen wir arbeiten. Mit ihnen und den Missionaren des Vikariats koordinieren wir den Schulplan und die Aufenthalte mit dem Schulschiff vor Ort. Im Jahr werden fünf Kurse durchgeführt. Zusätzlich gibt es in den Räumen der Kirche in Coca weiterführende Kursmodule.


Zeit für theoretischen Unterricht - Schülerinnen auf dem Schiff von Cuisine sans frontières.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Die Gelder für meine Arbeit und für meine fünf Mitarbeiter kommen von CSF. Die Stiftung „Alejandro Labaka“  informiere ich regelmäßig über meine Arbeit.

 

Meine Arbeit ist in drei Bereiche aufgeteilt. Ich führe die Verhandlungen u. a. mit den Gemeinden, den Behörden, der Marine und den Militärs und besorge notwendige Bewilligungen. Zudem verwalte ich das Schiff, stelle Personal ein und organisiere Aktivitäten in Coca. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit der CSF in Zürich. So bin ich auch Teil des Fundraising-Teams der CSF. Im Weiteren bin ich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes und gebe ich selbst Kurse. Ein dritter Schwerpunkt ist der Aufbau eines „Non-Profit Reisebüros“ zugunsten der kommunalen Angebote.


Markt in Pompeya

Warum ist Ihre  Unterstützung als externe Fachkraft nötig?

 

„Alejandro Labaka“ ist eine kleine Stiftung mit geringen Finanzen, die sie vor allem im sozialen Bereich und für seelsorgerische Aufgaben einsetzen.

Da es an Einkommens- und Ausbildungsmöglichkeiten fehlt und der Tourismus in der Napo-Region noch in Kinderschuhen steckt, ist unser Basiskurs ein idealer Einstieg, der von Kursen des Ministeriums für Tourismus ergänzt werden kann. Später kann man damit an der Universität in Quito Tourismus studieren.


Beschwerlich: Die Einkäufe vom Markt müssen aufs Schiff getragen werden.

Was macht Ihnen in der Projektarbeit besondere Freude?

 

Seit Mai 2016 haben wir neun Kurse durchgeführt  und ich besuche gelegentlich die Kommunen, in denen wir unterrichtet haben. Manche arbeiten mit ihren Nachbargemeinden auf gemeinsame Ziele hin. Besonders freue ich mich, dass einer der Schüler aus dem ersten Kurs inzwischen fest in unserem Team angestellt ist. Und, junge Indigenas, die in ihren eigenen Projekten arbeiten, sind viel selbstbewusster. Das macht mich froh. Insgesamt hat sich das Tourismusangebot verbessert.


Schülerinnen und Schüler auf dem Nachhauseweg.

Wie sehen Sie Ihr Leben in Ecuador heute?

 

Auch nach 25 Jahren Ecuador genieße ich immer noch die Vielfalt und Eigenständigkeit der lokalen Gruppen und den Austausch mit ihnen. Ich bin Teil ihrer Welt und kann ihre Traditionen positiv erleben. Meine Erfahrungen und beruflichen Fähigkeiten sind einerseits wertvoll, können aber auch ein Hindernis sein.

 

Interview: Theresa Meier/Bearbeitung: Ursula Radermacher, Fotos: David Höner