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Zukunftsperspektiven für Jugendliche

"Wissen ist herzlich Willkommen"
Teamwork: Schleifen der Hobelmesser

Seit eineinhalb Jahren lebt Bertram Tasch  mit seiner Frau Sibylle in Sambia. In der Erzdiözese Lusaka ist der gelernte Kfz-Handwerksmeister auf dem Gelände der katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph in dem Ausbildungszentrum TCM (Training Center Mpanshya) tätig. Als Berater der Handwerkerschule unterstützt er das Management und die Mitarbeitenden mit seinem Fachwissen.


Mitarbeiter des Ausbildungszentrums TCM

Sambia ist jung: 66,2% der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Diese Generation wird verantwortlich sein für ihre Familien und für die wirtschaftliche und politische Entwicklung ihres Landes. Auch deshalb ist Bildung ein Schlüsselfaktor. Viele junge Menschen verlassen nach der siebten Klasse die Schule und haben auf Grund ihrer schwachen Bildung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Danach zieht es viele Jugendliche in die Hauptstadt, weil Ausbildungsmöglichkeiten in der Region fehlen. Oftmals kommen sie perspektivlos wieder ins Dorf zurück, um auf den bescheidenen Kleinfarmen ihrer Familien zu leben.

 

Dort setzt die Arbeit der Erzdiözese Lusaka (ADL) ein, die jungen Menschen eine Ausbildung in dieser abgelegenen Gegend, ungefähr 180 km von der Hauptstadt Lusaka entfernt, ermöglicht. Damit sind die Jugendlichen in der Lage, ihre Existenz zu sichern. Auf langfristige Sicht kann auf dieser Basis sogar ein Gewerbe in einem Kleinbetrieb entstehen.

 


Bertram Tasch (l.) im Gespräch mit Auszubildenden

Im Auftrag von Comundo Luzern berät Bertram Tasch die Mitarbeiter des Ausbildungszentrums TCM. Er unterstützt die lokalen Manager in spezifischen Bereichen der Betriebsführung, wie Administration, Personalmanagement oder Kundenservice.

 

"Ich stelle sicher, dass die Ausbilder mit den nötigen Fachkompetenzen ausgerüstet sind und dass Ausbildungskonzepte umgesetzt werden können. Zusammen mit den lokalen Mitarbeitern entwickle ich weitere Geschäftszweige für das TCM, wie den Bereich Reifen- und Automechanik Service."

 

Das Team des TCM besteht aus einem Manager, jeweils einem Ausbilder und einem Gesellen in der Tischlerei und im Metallbau. Zurzeit befinden sich dort sechs Lehrlinge in der Ausbildung, von denen drei im April ihre Abschlussprüfung ablegen werden.


Metallbauer streichen Hochbetten

"Bei meiner Arbeit fällt mir immer wieder positiv auf, dass die Menschen dankbar für jede Unterstützung sind, sei es in beruflichen oder in persönlichen Bereichen. Gerade weil das Bildungsniveau in der Region niedrig ist, saugen sie die Informationen und das Wissen förmlich auf."

 

Das Projekt läuft mittlerweile seit 2006. In diesem Zeitraum schlossen 24 Jugendliche eine Ausbildung im TCM ab, von denen heute ca. 80% ein Einkommen in Vollzeit beziehungsweise Teilzeit haben. Ungefähr 50 weitere Jugendliche besuchten in den letzten zehn Jahren das TCM für maximal ein Jahr, um handwerkliche Fertigkeiten zu erlangen. Jedoch konnten sie nicht die notwendigen Schul- und Prüfungsgebühren aufbringen, um einen Berufsabschluss zu erlangen. Oftmals waren es auch familiäre Gründe, die die Jugendlichen auf ihre Farmen zurückgehen ließen.

 

Für das TCM bleibt es aktuell eine große Herausforderung, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Mit der Herstellung von qualitativ hochwertigen Produkten allein,  können die Ausgaben noch nicht gedeckt werden. "Es braucht weitere Innovationen und eine gute lokale Vernetzung, um das langfristige Überleben der Handwerkerschule sicherzustellen", erklärt Tasch.


Bei der Arbeit in der Metallwerkstatt

Gemeinsam mit den Partnern vor Ort entstehen immer wieder neue Projekte, wie zum Beispiel die Lehrwerkstatt "Metall", die vergangenes Jahr ins Leben gerufen wurde. Seitdem arbeitet Bertram Tasch intensiv mit dem Leiter der Metallwerkstatt, Peter Kanengene, zusammen: "Peter hatte seine Ausbildung vor Jahren im TCM begonnen, bis aus wirtschaftlichen Gründen dieser Bereich geschlossen werden musste. Aufgrund der Unterstützung durch  seine Familie und einen Spender, konnte  er seine Ausbildung in Lusaka beenden. Nun ist er glücklich, wieder in seinem Geburtsort leben zu können und dass wir gemeinsam die Lehrwerkstatt Metall auf- und ausbauen können."

 

Sei es bei dieser Kooperation oder bei seiner beratenden Tätigkeit, Bertram Tasch hat während seiner bisherigen Zeit in Sambia gelernt, sich immer wieder selbst zurückzunehmen. "So erkenne ich, auf welche Weise die Menschen sich einbringen können und wollen. Das ist das Besondere an der Personellen Entwicklungszusammenarbeit: Wenn Probleme und Fragen auftauchen, können wir im direkten Austausch nach Antworten suchen und Lösungen finden." Es sind diese zwei Schlüsselwörter, die ihn und seine Frau, die in der Vorschule der Pfarrgemeinde St. Joseph als Volontärin tätig ist, antreiben, einen Einsatz zu leisten: "'persönlich' und 'zusammen'."


Sibylle Tasch mit Freunden

Auch wenn das Leben in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und Sprache nicht  immer einfach ist, lohnt es sich aus der "Komfortzone Europa" herauszugehen. "Es erweitert den Blickwinkel und den Horizont ungemein. Wenn wir zurückgehen werden wir etwas verändert haben und auch selbst verändert sein", resümiert Bertram Tasch.

 

Text und Fotos: Bertram Tasch / Bearbeitung: Theresa Meier