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Wirkungsorientierte Entwicklungsarbeit in Madagaskar

"Dem Lösungsprozess Struktur geben"
Die Leiterin der Organisation Vahatra begleitet eine Landvermessung zur Sicherung der Landrechte der örtlichen Bauern

Anders als die meisten integrierten Fachkräfte arbeitet Andrea Zipprich als Beraterin für Wirkungsorientierung und Organisationsentwicklung mit mehreren lokalen Organisationen zusammen. Ihre Mitarbeit wird von Misereor finanziert. Das Bischöfliche Hilfswerk fördert insgesamt neun Partnerorganisationen und elf Projekte in Madagaskar. Sie sind in den Bereichen ländliche Entwicklung, Landrechte, Bildung und Sozialarbeit aktiv.


Auf dem Weg zu einem Projektdorf in Fianarantsoa

Die zentrale Aufgabe der studierten Anthropologin und Politologin ist es, in mehrtägigen Workshops mit Projektteams an konkreten Fragestellungen zu arbeiten und sie dabei zu unterstützen das Projektmanagement, die interne Organisation und die Vernetzung nach außen zu verbessern. Dafür besucht sie die jeweiligen Organisationen, um so Einblicke in die konkrete Arbeit mit den Menschen vor Ort zu bekommen.

 

"Wenn dann während der Zusammenarbeit Lösungswege entwickelt werden, kann man spüren, wie die Motivation der Mitarbeiter/-innen steigt und die Stimmung sich auflockert. Das sind Momente, in denen mir meine Arbeit besonders Spaß macht", erklärt Andrea Zipprich.


Eine Mitarbeiterin der Organisation CDD spricht von ihren Erfahrungen während eines Partneraustausches. Rechts: Andrea Zipprich

Die Workshop-Inhalte hängen vom Bedarf der jeweiligen Organisation ab. Zum Beispiel sah sich die Organisation CDD (Coordination Diocesane pour le Dévelopement), die in den Provinzen Diana und Sava an der Nordspitze Madagaskars agiert, 2016  mit verstärkten Landrechtsverletzungen und –konflikten sowie einer fortschreitenden Entwaldung konfrontiert. Die Mitarbeiter/-innen von CDD standen vor der Herausforderung, gemeinsam mit der Bevölkerung, den Behörden und lokalen Autoritäten Strategien zu entwickeln, um Landsicherheit und Umweltmanagement zu verbessern.


Der Leiter der Organisation Tsinjo Aina, Père Richard, stellt das Projekt vor

Da die Thematik relatives Neuland für das Team darstellte, fehlten zu Beginn klare Ansätze für die Zielerreichung. In einem Strategieworkshop mit Andrea Zipprich wurde daher ein Gesprächsleitfaden für den Austausch mit verschiedenen Akteuren im Feld entwickelt. Dies hat zu einem gemeinsamen Verständnis der Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Bevölkerung geführt. Es wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene unerlässlich ist, um greifbare Ergebnisse mit den Zielgruppen zu erreichen. Im darauffolgenden Planungsworkshop waren diese Vorgespräche und die Projekterfahrungen der CDD-Mitarbeiter/-innen die Ausgangsbasis für eine konkrete und realistische Arbeitsplanung.

 

Als Beraterin gibt Andrea Zipprich dem Lösungsprozess mit verschiedenen Moderationsmethoden eine Struktur. "Manchmal werde ich auch gebeten, einen theoretischen Input zu bestimmten Methoden oder Konzepten zu geben. Zum Beispiel, wenn es um konkrete Methoden für die Erhebung von Daten zum Projektfortschritt geht. Dann tausche ich die Rolle der Prozessbegleiterin mit der der Wissensvermittlerin", erklärt Andrea Zipprich.


Andrea Zipprich

Die Chance, Einblick in verschiedene Projekte und Organisationen zu erhalten, macht die Arbeit für Andrea Zipprich abwechslungsreich. „Mir gefällt es, mich in die verschiedenen Kontexte reinzudenken und passende Methoden zu entwickeln.“ Gleichzeitig sei es aber auch schwierig, als externe Beraterin nicht alles zu verstehen und trotzdem einen sinnvollen Beitrag leisten zu können.

 

"Dadurch, dass ich nicht die klassische integrierte Fachkraft bin, fehlt mir oft ein kollegialer Austausch und die kollektive Intelligenz, die entsteht, wenn man Teil eines Teams ist. Vor allem bei der Vor- und Nachbereitung von Beratungen", gibt die 31-Jährige zu bedenken.

 

Wie wirkungsvoll ihre Arbeit aber ist, spürt sie, wenn Organisationen immer wieder Bezug auf gemeinsam erarbeitete Strategien und Methoden nehmen und wenn sie für Folgeberatungen angefragt wird. "Im Moment ist mein Terminkalender für die nächsten Monate voll, das zeigt mir, dass die Organisationen Bedarf an meiner Beratung haben", resümiert Andrea Zipprich mit einem zufriedenen Lächeln.

 

Text und Fotos: Andrea Zipprich / Bearbeitung: Theresa Meier