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Beziehungsaufbau und Krisenbewältigung in Liberia

Neue Stärken entdecken
Fetlework Seifu ist wieder zurück in Deutschland

Fetlework Seifu war drei Jahre lang ZFD-Koordinatorin in Liberia. Nach Beendigung ihres Vertrages ist sie jetzt nach Deutschland zurückgekehrt. Mit uns sprach sie u. a. darüber, wie sich das ZFD-Landesprogramm in dieser Zeit entwickelt hat, welche Herausforderungen sie bewältigen musste und welche Stärken sie dadurch ganz neu in sich entdeckt hat.

 

Mit welchem Gefühl haben Sie Ihre Arbeit in Liberia abgeschlossen?

 

Es waren drei intensive Jahre. Ich habe im April 2014 angefangen und schon nach vier Monaten musste ich aufgrund der Ebola-Epidemie ausreisen und konnte erst im Mai 2015 wieder nach Liberia zurückkehren.


Der Kontakt und die Beziehungen zu meiner direkten Arbeitsplatzumgebung  waren zu Beginn nicht einfach. Und wenn ich jetzt zurückblicke, muss ich sagen, wir haben eine Menge geschafft und es hat sich viel zum Positiven verändert in den Beziehungen zu den Partnern. Ich habe die Arbeit so abgeschlossen, wie ich es mir gewünscht habe. Daher habe ich die Arbeit an Marion Koerbel, die neue ZFD-Koordinatorin in Liberia, gut übergeben können. Ich komme mit einem guten Gefühl nach Deutschland zurück.


Wie hat sich das ZFD-Programm in den letzten drei Jahren entwickelt?

 

An erster Stelle muss ich die Beziehungen zu den Partnerorganisationen hervorheben. Am Anfang war der Kontakt mit einigen der Partnerorganisationen schwierig. Es gab mehrere Vertragsabbrüche im Vorfeld, möglicherweise hat das mit dazu beigetragen. Mir wurde klar, dass hier als allererstes viel Beziehungsarbeit geleistet werden musste. Das hat einige Zeit gedauert, aber es hat gut funktioniert. Am Ende war die Beziehung mit allen Partnerorganisationen so gut, dass ich mich darauf verlassen konnte, die Unterstützung, die ich für meine Arbeit brauchte, zu bekommen.

 

Ganz wichtig war es, dass ich 2015 nach der Ebola-Epidemie gemeinsam mit den Partnern an der Umsetzung der Post-Ebola-Projekte, die zur Stabilisierung der Situation beitrugen, gearbeitet habe und sie in dieser Zeit besser kennenlernen konnte. Es hat sich dadurch Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit entwickelt, die bis heute anhält.

Erst im vergangenen Jahr hatten wir eine Zeit der mehr oder weniger "normalen" ZFD-Arbeit. Wobei der absolute Höhepunkt sicherlich die Feier zu 10 Jahre ZFD in Liberia war. Darüber hinaus war das Jahr sehr voll. Wir haben z.B. die neue Träger-übergreifende Länderstrategie als auch den Gesamtantrag für das BMZ erarbeitet, wir haben ein neues Finanzsystem und eine nationale Finanzfachkraft eingeführt, um nur einiges zu nennen. Die Arbeit hat mir gemeinsam mit den Fachkräften und Partnern Freude gemacht.


Welche Erfahrungen aus den letzten Jahren sind Ihnen besonders wichtig?

 

Hier würde ich gerne zwei Beispiele nennen. In meinen früheren Auslandsaufenthalten war es für mich relativ einfach zu anderen Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten Beziehungen schnell aufzubauen. Aber dieses Mal war es ein wenig anders. Wie schon erwähnt, war die Beziehung mit einigen unserer Partner vorbelastet. Es war wichtig, sehr viel Geduld aufzubringen, um mit den Partnern konstruktiv zusammenzuarbeiten. Das ist eine Erfahrung, die mich sehr geprägt und positiv beeinflusst hat.  


Das andere Beispiel hat mit dem Thema Sicherheit zu tun. Während der Ebolakrise musste ich die Fachkräfte gut begleiten und für ihre und meine Sicherheit sorgen. Durch eine enge Teamarbeit mit den Fachkräften und den Partnerorganisationen ist es mir gut gelungen, die schwierige Zeit zu bewältigen. Die AGEH habe ich in dieser Zeit als guten Arbeitgeber erfahren, auf den ich mich verlassen konnte. 

 
Ich bin persönlich nie ein Mensch gewesen, der ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat. Die Ebola Epidemie hat noch einmal mein Verständnis über Sicherheit geschärft. In diesem Prozess konnte ich neue Erkenntnisse und Fähigkeiten zur Bewältigung der Krise erwerben.

 
Wie wird es bei Ihnen jetzt weitergehen?

 

Ich mache jetzt erst einmal bis Ende April Urlaub. Für die Zeit danach gibt es noch keine genauen Pläne, aber schon Ideen. Ich würde einerseits gerne in Deutschland bleiben und hier vielleicht im Bereich ZFD arbeiten. Andererseits  interessiere ich mich für die Region Palästina/Israel. Dort werde ich auch nach einer entsprechenden Stelle suchen.

 

Interview und Foto: Katharina Engels