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Workshops zu Konflikttransformation im Slum

Engagiert und lernfreudig


Workshop in einem "Container-Raum" - mit Petra Fürst in der Mitte.

Die Workshops zu Konflikttransformation von Petra Fürst finden in einem "Container-Raum" der African Youth Peace Initiative in einem der vielen Slums von Kampala statt. Die ZFD-Fachkraft war beeindruckt, dass trotz der räumlichen Enge und der teilweise langen Wege, die Teilnehmenden sehr engagiert und wissbegierig waren. Am Ende erhielten sie nach erfolgreichem Test ein Zertifikat.


Gruppenarbeit mit lebhaften Diskussionen

Anlass dieses Trainings war die extrem hohe Konflikt- bzw. Kriminalitätsrate vor allem in den armen Stadtteilen der Hauptstadt Ugandas. Zu diesen Trainings trifft  sich regelmäßig eine  kleine Gruppe von Menschen aus dem Slum Makindyvon Kampala.  Sie wollen  gemeinsam lernen, wie sie die Mitglieder „ihrer Community“ stärken und unterstützen können.  Unter  der Leitung von Petra Fürst werden anstehende Konflikte besprochen, analysiert und verschiedene Strategien zur Konfliktlösungen geübt. Bei den Trainings hat sich ein starker Kern von 12 Personen innerhalb der Gruppe herausgebildet. Sie wollen sich vor allem für Sicherheit und Frieden im eigenen Lebensumfeld einsetzen. Erfreulicherweise wächst diese Gruppe stetig.


Petra Fürst spricht über Motive, Interessen und Bedürfnisse.

Es ist kaum vorstellbar unter welchen Bedingungen Menschen hier, oft auf sehr kleinem Raum, zusammenleben müssen. Sanitäranlagen und Toiletten sind oft nicht vorhanden. Stattdessen gibt es  „fliegenden Toiletten“. In Eimern oder leeren Plastikflaschen wird die Notdurft verrichtet und dann am Rande der Siedlungen entsorgt. Die einfachen, aus altem Blech, Planen und Holzresten, zusammen gezimmerten Hütten, bieten kaum Schutz bei  starkem Dauerregen. Während der Regenzeiten durchbrechen die heranrauschenden Wassermassen oft die Wände der Hütten und  schwemmen  die letzte Habe fort.


Ergebnisse der Gruppenarbeit werden präsentiert.

Doch trotz der Widrigkeiten erscheinen die Bewohner von Makindye  jeden Dienstag und Donnerstag am Treffpunkt der „African Youth Peace Initiative “ und tauschen sich aus. Unter der Leitung von Petra Fürst lernen sie unterschiedliche Konfliktarten, deren  Entstehungsweise und Lösungsmöglichkeiten kennen.  „Konflikte sind so alt wie die Menschheit und bergen die Chance neue Wege zu finden. Wichtig ist die Bereitschaft, trotz der Unterschiede,  gemeinsam einen friedlichen Weg zu gehen“, sagt Petra Fürst. Über das Motto „Frieden beginnt zuerst in jedem von uns selbst“ diskutierte die Gruppe viel. Immer wieder geht es auch darum,  Frieden als einen dauernden Prozess zu betrachten, der nicht selbstverständlich ist und einer stetigen Achtsamkeit bedarf.


Unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Konfliktparteien werden besprochen.

Petra Fürst beeindruckt die große Bereitschaft der Menschen sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und sich weiterzuentwickeln. „Die Menschen stehen hier tagtäglich vor der Frage, wie sie ihre Kinder satt bekommen und bringen trotzdem Zeit  auf,  friedliche Konfliktlösung zu lernen. Ich habe großen Respekt und Achtung für meine Teilnehmer“, meint  Petra Fürst.  Einige nehmen für die Trainings einen Fußmarsch von zwei bis drei Stunden auf sich, da kein Geld für Transportmittel vorhanden ist. Jedes Training beginnt deshalb mit einer kleinen Mahlzeit, oft das erste Essen an diesem Tag. Neben dem Wissenserwerb, dem Austausch und dem Miteinander, stärkt das Training  das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden. Das bestätigt Lydia Najjuka: „Ich fühle mich nicht mehr nutzlos, weil nun  auch ich einen Beitrag für mehr Frieden in unserer Community leisten kann.“


Freude und Stolz - alle Teilnehmer/-innen präsentieren nach dem erfolgreichen Abschluss des Testes ihre Zertifikate.

Mühe und Engagement haben sich gelohnt.  Nach einem Test, Anfang Juli 2018, erhielten alle Teilnehmenden das Zertifikat über erworbene Mediationskompetenz.   Somit sind sie nun Multiplikatoren und werden weitere Menschen in gewaltfreier Konfliktlösung  trainieren. Geplant ist dafür  im Rahmen eines Dreijahresprogramms, Konfliktanlaufstellen in den Slums in Kampala und Umgebung einzurichten.


Fredrick Karuma, Director „African Youth Peace Initiative“ bestätigt den Erfolg der Trainings: „Die Workshops von Petra Fürst sind sehr wertvoll für uns, weil es der fehlenden Sicherheitsstruktur in den Slums etwas entgegensetzt. Mit einem Netzwerk aus Trainern und einer Anlaufstelle, die Menschen bei Konflikten aufsuchen können, wollen wir verhindern, dass Konflikte eskalieren. Der nächste Schritt wird Aufklärungsarbeit in angrenzenden  Schulen sein. Wir können hier nicht die Lebensbedingungen ändern. Doch einen Sinn für Frieden und Gerechtigkeit können wir in den Menschen wecken“.


Text: Petra Fürst/Ursula Radermacher, Fotos: Fredrick Karuma