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Workshop im Südsudan

Gewalt gegen Frauen bewusst machen


ZFD-Fachkraft Henrike Huber mit Kolleginnen und Kollegen der J&P Kommission in der Diözese Wau

„Wissbegierig, neugierig auf Handlungsmöglichkeiten und vor allem erleichtert, nicht mit diesen schweren Problemen alleine zu sein“ - so beschreibt Henrike Huber die Frauen, die im Juli an einem Workshop der Justice and Peace Commission (JPC) in Wau zum Thema „Gender based Violence“ teilgenommen haben.


Kollegin und Kollege von Henrike Huber

Henrike Huber engagiert sich seit 2017 als ZFD-Fachkraft für kirchliche Friedensarbeit in der Justice and Peace Commission der Diözese Wau im Südsudan. Der Workshop im Juli war nur ein Teil einer Workshopreihe zu Gewalt, denn die Frage zum Umgang mit Gewalt und ihren Folgen ist im Südsudan noch immer zentral: Wenngleich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für den Südsudan geschwunden ist, so leidet doch die Zivilbevölkerung nach wie vor unter den kriegerischen Auseinandersetzungen von Regierungsarmee und verfeindeten Gruppen. Diese wirken sich auf alle Lebensbereiche der Menschen aus. Als Hoffnungsschimmer erscheint da das Bemühen vieler kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen im Südsudan sich für einen friedlichen zwischenmenschlichen Umgang einzusetzen und Begegnung zu fördern.


An den Workshops nahmen oft Frauen und Männer teil.

Die Workshopreihe der JPC Wau leistet hierzu einen Beitrag und fokussiert sowohl die Möglichkeit zur Begegnung der Menschen als auch die Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation und Fragen zu Gewalt: zu sexueller Gewalt, aber auch zu innerfamiliärer Gewalt, zu Gewalt in Konfliktsituationen, Grundlagen der Gewalt, Gewaltprävention sowie zum Stellenwert von Gewalt in der südsudanesischen Gesellschaft. Dabei wird auch immer wieder der Wunsch nach Versöhnung thematisiert sowie das Ziel formuliert, Frauen in ihrem Selbstbewusstsein und als Friedensakteurinnen zu stärken, damit sie sich  gegen Gewalt und Missbrauch wehren und selbst Teil eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses werden können.


"Viele Frauen wirkten sehr erleichtert, weil sie über das schwierige Thema Gewalt sprechen konnten", stellt Henrike Huber nach den Workshops fest.

In einer Gesellschaft wie im Südsudan, in der Frauen häufig keine Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind, ist dies ein zentrales Anliegen: “Wir haben die Frauen ermutigt, ihre Töchter zur Schule zu schicken und nicht - wie traditionell üblich - sehr früh zu verheiraten. So haben wenigstens die Töchter eine bessere Chance, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen und die im Grundrecht angestrebte Frauenquote von mind. 25% in Regierung und Parlament  zu erreichen“, erzählt Henrike Huber nach dem Workshop. Und weil dieses Thema alle angeht, haben sie auch Männer zum Workshop eingeladen, damit auch sie für dieses Themenfeld sensibilisiert werden. Denn es wird deutlich: nur gemeinsam und im Austausch sind Veränderungen möglich.


Henrike Huber mit Workshopteilnehmern

Und wie geht es Henrike Huber mit der Situation vor Ort?  „Neben der Aggression, Gewalt, Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und dem Hunger, berührt mich die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen hier. Daraus und aus dem gemeinsamen Lachen sowie der geteilten Freude im Augenblick, schöpfe ich die Kraft, die Arbeit hier fortzusetzen“, sagt Henrike Huber.


Fotos: Henrike Huber, Text: Friederike Repnik/Ursula Radermacher