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Weltflüchtlingstag 2017

Uganda leistet Unglaubliches
Claudia Langol (1. vl.) mit den südsudanesischen Partnern: Natalina Mabo, JPC-Koordinatorin (2. Reihe Mitte), Peter Jamous (3. Reihe 1. vr.), Martin Petry, Facilitator des WS in Zusammenarbeit mit Misereor (1. Reihe 1.vr.)

Seit vier Jahren fordert der Bürgerkrieg im Südsudan unzählige Opfer. Ein Waffenstillstand liegt in weiter Ferne. Über eine Million Menschen haben bisher Zuflucht in den Nachbarländern gesucht. Uganda ist vor allem das Ziel vieler Flüchtlinge. In dem afrikanischen Land lebt zurzeit unsere Fachkraft Claudia Langol, die als ZFD-Koordinatorin im Südsudan tätig ist. Sie hat für uns aufgeschrieben, wie sie die Situation vor Ort erlebt.

 

"Der schlimmste Moment war, als das Gefecht anfing und ich  eines meiner Kinder aus den Augen verlor. Für  zwei Tage wusste ich nicht, ob meine Tochter lebt", erzählt Peter Jamous mit belegter Stimme.


Geflohen wegen Krieg in der Heimat

Peter ist einer von den ca. 1,2 Millionen Flüchtlingen, die ihre Heimat im Südsudan wegen der neuen Gewaltakte verlassen mussten. Ein Teil seiner Familie war mit einem Miltärkonvoi der ugandischen Armee über den Kongo geflohen. Seine kleinen Kinder konnte Peter schließlich mit Hilfe der "Mission Aviation Fellowship" (MAF) aus Yambio ausfliegen lassen. Nun leben Peter und seine Familie in Kiryandongo, eines der Flüchtlingscamps im Norden Ugandas.


Mutter mit Kindern im Flüchtlingslager in Wau

Seit Juli 2016 wird der Südsudan erneut von heftigen und brutalen Kämpfen heimgesucht. Das Gewaltniveau ist dort extrem hoch. Ethnische Säuberungsaktionen, die von den bewaffneten Konfliktparteien durchgeführt werden, forderten seit Ausbruch der jüngsten Kämpfe unzählige Menschenleben.

 

Gezielte Vertreibung gekoppelt mit der weiterhin anhaltenden Hungerkatastrophe zwangen die Menschen zu Tausenden in die Flucht und forderten viele Todesopfer. Überfälle auf wichtige Straßen, meist durch Rebellen, stehen an der Tagesordnung und auch das Plündern von Häusern, Kirchen und NRO-Gebäuden gehören zum Alltag.

 

Mit unbeschreiblicher Brutalität und Grausamkeit wird vor allem gegen Frauen und Kinder vorgegangen. Massenvergewaltigungen, Zwangsrekrutierung, Versklavung und Ermordung sind Gefahren, denen Frauen und Kinder täglich ausgesetzt sind. Auch die Tötung, Ermordung  und Vergewaltigungen von Kirchenangehörigen, wie Priestern, Nonnen, Katecheten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen machen den Südsudan zu einem der gewalttätigsten Länder der Welt.


Warten zur Registrierung im Camp

Die Leidtragenden sind, wie so oft, die Menschen der  Zivilbevölkerung, die zum Spielball der Mächtigen werden. In Upper Nile sind zurzeit ungefähr 100.000 Menschen vom Hungertod betroffen. Es ist eine menschengemachte Krise. Regierungssoldaten haben die Bevölkerung aus ihren Anbaugebieten vertrieben, sodass die Menschen nichts anbauen können und nun vollständig auf die Versorgung durch World Food Programme  (WFP) oder andere Institutionen angewiesen sind.


Mehrere Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge, leben im Busch oder haben es zu einem der  UN Schutzlager in der Nähe von Stationen der United Nations Mission in South Sudan (UNMISS) geschafft.


Zu wenig Raum für so viele Flüchtlinge

Viele Menschen suchen auch Zuflucht in der Kirche. In Wau leben zurzeit ca. 5000 Menschen auf dem Gelände der Diözese. "Die Zustände sind katastrophal. Zu wenig Lebensraum für so viele Menschen. Die Hütten kann man fast gar nicht als Hütten beschreiben. Oft erscheint es mir, als hätten die Menschen einige Plastiksäcke zusammengesammelt und sie auf Holzgestelle angebracht. Es gibt keine Matratzen, keine Stühle", erzählt Natalina Mabo, die Koordinatorin der  "Justice and Peace Commission". Sie und andere Kollegen mussten ebenfalls im Lager unterkommen, da ihre Häuser im Kampfgebiet liegen. "Mit Hilfe von UNICEF wurden  Latrinen ausgehoben, die bald wieder voll sind. Wasser bekommt man nur, wenn man sich stundenlang mit dem Plastikkanister anstellt" erzählt sie weiter.


Peter Jamous sitzt vor seinem kleinen Haus. Er ist  der ugandischen Regierung dankbar, dass sie trotz des großen Zustroms die Grenzen offen hält. Uganda leistet zurzeit Unglaubliches. Mehr als eine Million Menschen wurden in den letzten Monaten aufgenommen, täglich kommen rund 3.000 neue Flüchtlinge an. Die offene und willkommene Flüchtlingspolitik der Perle Afrikas ist beispielhaft. Jeder Flüchtling bekommt ein kleines Stück Land zugeteilt, damit die Menschen ihr eigenes Gemüse anbauen können.


Anstehen, um Wasser zu bekommen

Wegen des großen Ansturms wächst jedoch die Spannung zwischen der Gastbevölkerung und den Flüchtlingen, besonders dann, wenn Ressourcen wie Feuerholz, Wasser und Land knapp werden. Auch gibt es immer wieder Spannungen zwischen den Flüchtlingen. Der Tribalismus hat leider nicht an den Grenzen Ugandas haltgemacht, sondern wurde auch in die Camps geschleppt. Der Hass und die Teilung der Stämme entlang ihrer ethischen Herkunft gewinnt immer mehr Bedeutung und macht ein friedvolles Zusammenleben schwer. Das endlose Warten, das "Nichts tun können", die komplett Abhängigkeit von Essensverteilungen, aber auch das Nichtverarbeiten von Traumata treibt Menschen in den Alkoholismus und trägt dazu bei, dass sich die Gewaltspirale immer schneller dreht.


Trotz intensivster Bemühungen der 'Internationalen Gemeinschaft' scheinen die Probleme kein Ende nehmen zu wollen. Trotzdem finden die Südsudanesen auch unter schlimmsten Lebensumständen immer einen Grund zum Lächeln. Sie zeigen einen Geist der Widerstandsfähigkeit, der seinesgleichen sucht.

 

Text und Fotos: Claudia Langol / Bearbeitung: Theresa Meier