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Welt-AIDS-Tag

"Diskriminierung noch enorm"
Christa von Oertzen bei einer Ultraschalluntersuchung

HIV und AIDS sind immer noch sehr sensible Themen, die oftmals stark tabuisiert werden. Am Welt-AIDS-Tag, dem 1. Dezember, rücken sie wieder in die  Öffentlichkeit. Wir schauen nach Sierra Leone, wo die AIDS-Rate zwar nicht sehr hoch, aber dennoch präsent ist. Befragt haben wir dazu unsere Fachkraft Christa von Oertzen, die ärztliche Leiterin im "Serabu Community Hospital" in der Diözese Bo ist. Ihre Mitarbeit wird von German Doctors e.V. finanziert.


Menschen warten am "Serabu Community Hospital" auf ihre Behandlung

Inwiefern haben Sie mit der Krankheit AIDS in Ihrer Arbeit zu tun?


Wir haben AIDS-Kranke und wir bieten  freiwillige  und kostenlose  Tests an. Leider kommen dazu nur sehr wenige Patienten. Generell werden aber alle Schwangeren wegen einer möglichen Mutter-Kind-Übertragung getestet, das ist vom Staat so vorgeschrieben. Wir schicken auch alle Patienten, die operiert werden sollen, zum AIDS-Test, auch zu unserer eigenen Sicherheit. Hierbei haben wir allerdings  nur selten Patienten mit positivem Ergebnis. Vermehrt erleben wir jedoch folgendes: Wenn wir Schwerkranke behandeln, bei denen wir den Verdacht haben, dass sie vielleicht AIDS erkrankt sind, tritt dies bei der Hälfte der Fälle tatsächlich zu.


Es ist wahrscheinlich sehr schwierig, dieses sensible Thema zur Sprache zu bringen?


Auf jeden Fall. Auf die Patientenakten schreiben wir weder HIV noch AIDS. Bei einer Patientin war das trotzdem einmal passiert. Andere Patienten bemerkten das  und haben sie deswegen gleich stigmatisiert. Darum haben wir uns unter dem medizinischen Personal auf eine Abkürzung geeinigt, die nicht ohne weiteres identifiziert werden kann und manchmal auch noch mit Symbolen verklausuliert wird. Die  Diskriminierung ist immer noch stark. Betroffene werden zum Teil auch aus den Familien verstoßen. Das ist in dem ländlichen Bereich, in dem wir arbeiten, noch sehr schlimm.


Im Beratungsgespräch

Inwieweit kann da auch eine vernünftige Sexualaufklärung gelingen?


Wir versuchen die  Patienten schon aufzuklären. Es kommt aber immer wieder vor, dass der Patient, den wir getestet haben und aufklären wollen, über seine Krankheit Bescheid weiß und es verheimlicht. Da ist es auch ganz schwierig mit der Therapie. Für einen Monat bekommen die Patienten dann Medikamente. Danach müssen sie wiederkommen, um sich weitere Medizin abzuholen. Aber das brechen die Patienten oft selber ab, obwohl sie merken, dass es ihnen mit den Medikamenten besser geht. Es  ist übrigens nicht nur bei AIDS, sondern  bei allen chronischen Erkrankungen sehr schwierig, die Patienten bei der Stange zu halten, ihre Medikamente dauerhaft zu nehmen. Das hat zum Teil natürlich auch finanzielle Gründe. 

Uns frustriert das natürlich sehr, weil die Patienten mit der Medizin eine gute Chance hätten, mit der Krankheit zu leben. Da kann man nur hoffen, dass einzelne Patienten selber verantwortungsvoll sind und verstehen, dass es ihnen hilft.


Das "Serabu Community Hospital" von oben

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten anlässlich des Welt-AIDS-Tages, wie sollte man zukünftig mit diesem Thema umgehen?

 

Ich würde mir mehr Aufklärung vom Staat wünschen. Es werden schon Plakate aufgehängt. Aber zum Beispiel reichen die Medikamente und Tests manchmal gar nicht aus oder sind einfach nicht vorrätig.  Ich denke, Aufklärung könnte  man auch mit  Theateraufführungen betreiben. Wenn dabei das Thema spielerisch vermittelt wird, hätte das schon eine gute und verständliche Wirkung. Die AIDS-Rate ist in Sierra Leone nicht sehr hoch, aber trotzdem ist sie da und ich denke, dass sich die Krankheit auch deswegen verbreitet, weil keine Vorsorge gemacht wird.


Interview: Theresa Meier / Fotos: Miro May (German Doctors e.V.), Christa von Oertzen / Bearbeitung: Katharina Engels