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Virtual Reality-Filmprojekt mit Studenten

Palästina in 360°
Lisa Sedlmayr und Sebastian Plötzgen starten ein besonderes Filmprojekt

Ihnen entgeht nichts, sie tasten jeden Millimeter ihrer Umgebung mit akribischer Genauigkeit ab, nehmen jede noch so kleine Bewegung wahr. Sechs scheinbar unermüdliche Kameraaugen gehören zum Equipment von Sebastian Plötzgen und seiner Frau Lisa Sedlmayr. Die beiden starten ein besonderes Virtual Reality-Projekt mit Studenten des Dar-Al-Kalima-Colleges in Bethlehem.


Filmtraining mit 360° Kamera im Grab von Johannes dem Täufer

Sie wollen das andere Palästina zeigen, das was man nicht aus klassischen Reisemagazinen kennt. Unsere Fachkraft Sebastian Plötzgen ist als Entwicklungshelfer für Tourismusentwicklung in Palästina tätig. Seine Stelle, die von Misereor finanziert wird, ist an dem Dar-Al-Kalima-College in Bethlehem angesiedelt, an der Studenten zu Reiseführern ausgebildet werden. Dort gibt auch seine Frau verschiedene Kurse. Zusammen wollen sie dem bekannten Pilger-Reiseziel "Palästina" eine Alternative beziehungsweise etwas Neues bieten und so Touristen für das Heilige Land begeistern. Dabei ist es für sie wichtig, dass die Studierenden direkt integriert werden, da sie oftmals keine praktischen Erfahrungen während des Studiums sammeln können.


Beim "stitching" werden die sechs Einzelfilme zu einem 360° Panoramafilm zusammengesetzt

Das Virtual Reality-Projekt, das auf dem Katholikentag 2018 in Münster erstmals vorgestellt wird, möchte den Konfliktbildern aus Palästina, die man zu Genüge aus den Medien kennt, etwas entgegensetzen. Mit der besonderen Technik, eine Umgebung in 360 Grad abzubilden, sollen den Touristen ihre Scheu und ihre Vorbehalte genommen werden. Denn mithilfe einer Virtual Reality Brille können sie unmittelbar in eine fremde Realität eintauchen."

 

Sie sehen dann zum Beispiel eine Szene, die auf dem Markt gedreht wurde. Dank des 360 Grad Formats können sie sich dann selber auf dem Markt bewegen, ohne wirklich vor Ort zu sein. Sie  erhalten dadurch den Eindruck, dass sich auf diesem Platz ganz normale Leute bewegen, die ihrem Alltagsgeschäft nachgehen", erzählt Lisa Sedlmayr. "Dadurch können die Touristen ein lebendiges und interessantes Land und eine Lebenswirklichkeit kennenlernen, die nochmal ganz anders ist, als wenn man sie nur auf einem Foto sehen würde", fügt Sebastian Plötzgen hinzu.


Filmaufnahmen im Souvenirladen des Mosaic Guesthouse in Sebastiya

Ihr konkreter Plan sieht vor, dass sieben Studierende des Dar-Al-Kalima-Colleges einen drei- bis vierminütigen Film zum Thema "Frieden im eigenen palästinensischen Alltag" machen. Dabei sollen persönliche Porträts entstehen, in denen in erster Linie die Menschen und ihre Geschichten im Vordergrund stehen. "Da gehört zum Beispiel ein Autorennen in Jericho dazu oder ein Besuch in einem Café", erklärt Lisa Sedlmayr. Eine Aufgabe, die für die Studierenden zunächst nicht ganz einfach ist, da sie häufig die touristische Perspektive einnehmen, doch soll es bei diesem Projekt darum gehen, etwas Authentisches zu zeigen.


Technik macht es möglich: Die 360° Kamera bestehend aus sechs Einzelkameras

Die fertigen Filme  werden den Katholikentagbesuchern nächstes Jahr in Münster beim "Markt der Möglichkeiten" präsentiert. Neben den klassischen touristischen Informationen können dann eben virtuelle Reisen unternommen werden, die die Diskussion zwischen den studentischen Filmemachern und den Zuschauern anregen soll, "um eine Reiseart, eine Reisekultur in den Vordergrund zu stellen, die ein bisschen tiefer geht als beim Sightseeing."


Darüber hinaus interessieren sich diverse Gemeinde
n, die eine Beziehung zu Palästina haben, und der evangelische Kirchentag für diese Filme, sodass weitere Präsentationen mit der entsprechenden Finanzierung in Zukunft möglich wären.  "Dadurch besteht die Chance, langfristig Leute zu gewinnen und ihnen Lust zu machen, nach Palästina zu reisen, um nicht nur die Probleme zu sehen, sondern auch um mit den Leuten in Kontakt zu kommen", fasst es Sebastian Plötzgen zusammen.

 

Text: Theresa Meier / Fotos: Lisa Sedlmayr, Sebastian Plötzgen, Theresa Meier