Kontakt
Newsletter
Impressum
Datenschutzerklärung

Kolumbiens östliche Grenzregionen sind „kreativ im Konflikt“

(K)ein Frieden in Sicht?
Teilnehmerinnen in voller Aktion beim "Legislativen Theater"

Im Mai 2019 fand in  Arauca/ Kolumbien ein 14-tägiger Theaterworkshop zu einer neuen partizipativen Methode statt. Teilgenommen haben fünf ZFD-Fachkräfte und ihre KollegInnen aus den Partnerorganisationen, den Sozialpastoralen Arauca, Cúcuta, Buenaventura und Granada sowie der NGO Censat. Außerdem waren VertreterInnen von lokalen Gemeinden sowie Basisorganisationen dabei. Organisiert hatte die Fortbildung die ZFD-Koordination der AGEH in Kolumbien.


Trainer Harald Hahn kommt vom vom Berliner Legislativen Theater (LTB), das sich als "Politikdiskurs von unten“ versteht.

Viele Partnerorganisationen von Fachkräften arbeiten mit theaterpädagogischen Methoden. Doch  „Legislatives Theater“  ist nahezu unbekannt in Kolumbien. Kurz gesagt ermöglicht die Methode eine kreative und partizipative Beteiligung von BürgerInnen, dort wo sie von Gesetzen betroffen sind, aber nicht dazu gehört werden. Wie „legislatives Theater“ genau funktioniert, vermittelte der Theatermacher Harald Hahn. Eingeladen hatten ihn die ZFD-Fachkräfte Utz Ebertz und Patricia Göthe.


ZFD-Fachkraft Utz Ebert arbeitet als Trainer für friedenspädagogische Theaterarbeit bei der Sozialpastoral in Cúcuta.

Was bewirkt Theater? Ziel der Fortbildung war, die Teilnehmenden in ihren Projekten mit der neuen Methode zu befähigen, die zivilgesellschaftliche Beteiligung der Menschen vor Ort zu stärken. Die Kursteilnehmer lernten in einem kreativen, kollektiven Prozess Theaterstücke zu entwickeln und dabei lokale oder nationale Probleme zu berücksichtigen.


Deutliche Forderungen für die Qualität der Lebensbedingungen.

Wichtig ist nach den Theateraufführungen das direkte Gespräch zwischen den DarstellerInnen und ZuschauerInnen aus den lokalen Gemeinden. Das sind BürgerInnen, LokalpolitikerInnen und RepräsentantInnen der öffentlichen Verwaltung, möglichst  gemeinsam Lösungsansätze für ein - zuvor auf der Bühne angesprochenes -  Problem erarbeiten. Dabei können Berührungsängste oder Misstrauen abgebaut werden.


Gemeinsame Aktionen, um Forderungen durchzusetzen.

Die Fortbildung begann mit dem Projekt Politische Lobby- und Advocacy-Arbeit der Sozialpastoral Arauca. Sie entwickelte ein Legislatives Theaterstück zur Umweltgesetzgebung. Drei Tage lang probten die Teilnehmenden in dem Ort La Esmeralda. Anschließend führten sie ihr Stück vor Vertretern der lokalen Ombudsstelle, indigenen Repräsentanten und einem breiteren Publikum in der Stadt Saravena auf, die als Hochburg der Guerillagruppe ELN gilt. Dabei sammelten sie Gesetzesvorschläge aus dem Publikum, die sie später  an örtliche politische Vertreter*innen weitergaben, damit diese  im Gesetzgebungsprozess berücksichtigt werden.


ZFD-Fachkraft Fabian Singelnstein (Mitte) arbeitet bei der NGO Censat Agua Viva.

Weitergehen sollte es mit dem Friedenstheaterprojekt der PS Cúcuta in einer sicheren Zone des umkämpften Catacumbo-Gebietes. Doch es kam anders: durch unerwartete Proteste und Blockaden des Nationalen Streiks war das Gebiet nicht zugänglich. Die Fortbildung Aktionstheater mit den „Werkzeugen für kreativen Protest“ musste spontan nach Cúcuta verlegt werden. Doch die Teilnehmenden aus dem Catatumbo fanden  gewitzt alternative Anreisewege, um beim Workshop dabei zu sein.


Biblische Geschichten auf die aktuelle Situation in Kolumbien übertragen.

Die kolumbianische Gesellschaft ist tief gespalten, aber weitgehend katholisch. Da können Bibelinhalte vermittelnd wirken, deshalb wurde am Schluß in Cúcuta Forumtheater auf der Basis biblischer Geschichten gespielt. Anhand von drei biblischen Geschichten, erzählten die Teilnehmenden bei einer Theateraufführung von ihren Alltagsherausforderungen und tauschten sich mit dem Publikum aus.


Die Fortbildung war für Partnerorganisationen und ZFD-Programm in Kolumbien ein großer Erfolg. Mit den neuen Kenntnisse haben Fachkräfte und MitarbeiterInnen eine größere Bandbreite in ihrer friedenspädagogischen (Theater-)Arbeit. Sie können vor allem im Bereich Advocacy- und Lobby-Arbeit mehr Wirkung erzielen. Im Rückblick lässt sich sagen, dass die teilnehmenden FKs und MitarbeiterInnen hoch motiviert nach Hause gefahren sind und bereits angefangen haben, mit dem erworbenen Wissen bei ihren Advocacy- und Lobby-Prozesse zu arbeiten.


Text: Ursula Radermacher, Utz Ebertz; Fotos:Bianca Bauer