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Rückblick auf den AGEH-Workshop "Bodenlos" in Bonn

Kohlebergbau im Rheinland und anderswo
Fabian Singelnstein ist Geograf und bearbeitet mit Dorfbewohnern ihre Situation in Kartierungsworkshops.

Mitte September veranstaltete die AGEH das Seminar „Bodenlos –  Umgang mit Ressourcen“  mit  Fachkräften aus afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern in Bonn. Teilgenommen hat auch Fabian Singelnstein, der als ZFD-Fachkraft in Kolumbien bei der NGO CENSAT Agua Viva arbeitet. Die NGO informiert die Bevölkerung und stärkt  sie in ihren Rechten gegenüber Bergbauunternehmen. Was  ihn an „Bodenlos“ begeisterte, erzählt Fabian Singelnstein hier.


Wie war der Austausch zwischen den Teilnehmern aus den verschiedenen Kontinenten und Ländern?


Fabian Singelnstein: Der Austausch auf Süd-Süd-Ebene war ein guter Ansatz. Es war das erste Mal, dass zum Thema Rohstoffförderung AGEH-Fachkräfte und Vertreter von Partnerorganisationen von beiden Kontinenten direkt miteinander sprachen.  Abgerundet wurde das Ganze durch die Inputs von AGEH und Misereor.


Ein Schaufelradbagger im Tagebau - Bagger diesen Typs können täglich bis zu 240.000 Tonnen Kohle oder Abraum bewegen.

Sie haben zusammen eine Exkursion zum Tagebau Garzweiler gemacht. War das anders als im Bergbau in Kolumbien?


Fabian Singelnstein: Es war erstaunlich, wie viele  Parallelen es gibt. Der Konzern RWE reagierte ebenso unreflektiert, wie das Bergbauunternehmen Cerrejón, mit dem wir es bei CENSAT zu tun haben. Unheimlich fand ich die alten wie die neuen Dörfer in der Nähe von Garzweiler. Bei den alten Orten sind die Häuser teilweise schon abgerissen oder sie stehen mit vernagelten Fenstern da. Die neuen Orte wirkten steril und ohne gewachsenes Sozialleben.  Durch die Gespräche mit  Vertretern des BUND und der Förderung kirchlicher Umweltberatung e.V.  wurden mir Fakten zu den Auswirkungen des Braunkohletagebaus klarer. Berührend waren die Schilderungen einer Betroffenen, die aktuell mit ihrer Gemeinde im Umsiedlungsprozess steckt und spürt wie dadurch ihre Sozialbeziehungen zerreißen. Das Thema Umsiedlung ist auch in Kolumbien heftig umstritten.


Workshopteilnehmer auf der Aussichtsplattform im Tagebau Garzweiler zwischen Köln und Aachen.

Was ist ihr Fazit oder was nehmen Sie vom Seminar mit?


Fabian Singelnstein: Es gibt in jedem Land Initiativen, die dafür sind, die Rohstoffe im Boden zu lassen, „weil es besser für Umwelt und Menschen sei“. Mein grober Eindruck ist: In Lateinamerika sind die Debatten anders als in afrikanischen Ländern, weil lateinamerikanische NGO’s vermehrt die Selbstverständlichkeit des Rochstoffförderns infrage stellen. Dagegen berichten Partnerorganisationen aus afrikanischen Ländern, dass es bei ihnen vor allem um die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, sowie die gerechtere Verteilung der Einnahmen aus dem Bergbaugeschäft geht. Insgesamt war für mich sehr interessant, was andere Partnerorganisationen aus ihrer Arbeit berichteten. Bei einem nächsten Treffen, vorzugsweise in Afrika oder Lateinamerika, würde ich gerne die Themen vertiefen.

 

Interview: Ursula Radermacher,  Fotos: Fachkraftporträt/ Eberhard Weible, Tagebau Garzweiler/Mira Zander-Walz