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Fachkraft für Interreligiösen Dialog in Kenia

Brücken bauen
Matthias Eder, neue ZFD-Fachkraft in Kenia

Als Fachkraft des Zivilen Friedensdienstes hat Matthias Eder in diesem Monat seine neue Stelle bei den "Missionaries of Africa" - dem "Catholic Network for Inter-Religious Dialogue" in Kenia begonnen. Zusammen mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern ist er Anfang Juni ausgereist. Vorab hat er im AGEH-Interview über Chancen und Herausforderungen für den Interreligiösen Dialog im afrikanischen Land gesprochen.

 

 

Warum haben Sie sich entschieden, im Bereich "Interreligiöser Dialog" tätig zu sein?

 

Die Thematik "Interreligiöser Dialog" ist sehr spannend und vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick erscheint.  Denn was tatsächlich religiöse Konflikte sind und wie man in Konflikten religiöse Akteure zur Friedensschaffung bewegen kann, sind zwei verschiedene Themen. Religion ist nicht per se das Problem und nicht per se das Sicherheitsrisiko. Alle Religionen haben im Kern eine Friedensbotschaft.

 

Man muss diese ganzen Konflikte, die es weltweit gibt, dekonstruieren und die Religion aus der Gleichung isolieren oder in den meisten Fällen kann man sie sogar ganz rausnehmen. Das Problem ist nämlich, dass Religion solche Konflikte auflädt. Dann wird es schwierig, wieder eine Brücke zu bauen, weil Religion so ein individuelles und eigentlich intimes Thema ist und wenig diskutierbar.

 

Erfahrungen in diesem Bereich habe ich bei meinen vorherigen Stellen gesammelt. Zuletzt habe ich für das "Internationale Dialogzentrum" in Wien gearbeitet. Dort ging es um den Aufbau von Interreligiösem Dialog und Strukturen zur Friedensschaffung. Ich habe das Landesprogramm für Nigeria aufgebaut und geleitet. Zudem war ich sieben Jahre lang für die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) im Bereich Projektmanagement tätig und habe mich um landwirtschaftliche Entwicklung in krisenhaften Ländern gekümmert. Davon war ich vier Jahre in Malawi.


Ursprünglich komme ich aus dem Bereich der Politikwissenschaft, Diplomatie, und des Projektmanagements. Meine ersten Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit habe ich bei der katholischen Jugendbewegung gemacht.

 

Wo werden die geplanten Schwerpunkte Ihrer Arbeit liegen?


Ich glaube, dass es in den meisten Fällen so ist, dass der Interreligiöse Dialog im Alltag schon stattfindet, dass es durchaus Aktivitäten gibt, die sich bewährt haben, die aber nicht koordiniert und nicht bekannt genug sind. Folglich geht es immer um die Koordinierung und die Dokumentierung von dem, was es bereits gibt. Diese Tätigkeiten müssen auch präsent gemacht werden. Durch meine Erfahrungen kann ich schon sagen, dass die Leute vor Ort meist selbst davon nichts wissen. Daher müssen entsprechende Dialogstrukturen zusammen mit den lokalen Partnern in Kenia aufgebaut werden.

 

Zum Beispiel spielt die interreligiöse Thematik in der Priesterausbildung oder in der akademischen Ausbildung noch kaum eine Rolle. Da sind andere afrikanische Länder schon weiter. Das wird  ein Ansatzpunkt von mehreren sein, den ich angehen muss: Den Interreligiösen Dialog in der Universität zu verankern und ihn, in diesem Fall, möglichst in die Nähe der katholischen Theologenausbildung zu bringen. Auch wenn mir das persönlich als Ansatzpunkt immer noch ein bisschen zu wenig ist. Denn wenn man es gewohnt ist, interreligiös zu arbeiten, dann möchte man nicht nur mit den Katholiken arbeiten, dann möchte man mit allen arbeiten.

 

Aber die Katholiken sind insofern in einer sehr privilegierten Position, weil sie mit der Enzyklika "Nostra aetate" Leitlinien haben, die Raum für diesen Dialog lassen und die ihn auch verpflichtend machen. Außerdem gibt es in Rom einen Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog. Man kann diese Art und Weise des zentralistisch organsierten Systems kritisieren, aber man kann auch den stabilen Standpunkt der katholischen Kirche betrachten und schauen, dass sie zum Standort für den Interreligiösen Dialog wird, der offen gestaltet werden kann. Das heißt aber nicht, dass automatisch alle Katholiken dem folgen wollen  oder dass alle anderen Religionen nur darauf gewartet haben. Der Zugang muss, je nach Situation vor Ort, über eine andere Thematik erfolgen.


In der interreligiösen Zusammenarbeit gibt es das allgemeine Problem: "preaching to the choir". Das heißt, es sind immer dieselben Leute - Kardinäle, Sultane, Imame und Repräsentanten der indigenen Religionen - bei den Workshops. Die muss man nicht überzeugen, aber man muss sich die Frage stellen: Wie kann ich die Menschen vom Rand erreichen? Da muss man sich langsam vorarbeiten, denn dort knirscht es auch häufig mit den Repräsentanten christlicher Gemeinschaften, die dem Katholischen ganz fern sind.

 

Wie wurden Sie auf die Herausforderungen Ihrer Stelle in Kenia  vorbereitet?


Die Vorbereitung im ZFD ist sehr umfangreich. Das kannte ich so vorher noch nicht. Natürlich kann man nie zu 100 Prozent vorbereitet in so eine Situation gehen, die sich immer wieder ändern kann. Aber man wird so gut vorbereitet, wie es eben geht. Ein Punkt, der für meine Frau und mich sehr wichtig war, ist, dass bei der AGEH die Familie Teil der Vorbereitung ist. Dass Familie hier sehr stark mitgedacht, gewünscht und auch gefördert wird, freut uns und unsere zwei kleinen Kinder sehr.


Neben den privaten Herausforderungen vor Ort, werden sich die beruflichen erst im Laufe der Zeit herausstellen. Mit meinen vorherigen Erfahrungen weiß ich, dass ich die vorher nicht überblicken werde: Wo liegen zum Beispiel in Kenia die Sensitivitäten innerhalb der Religionsgemeinschaften, des Christentums, der katholischen Kirche und der muslimischen Gemeinschaften in Kenia? Abhängig vom jeweiligen Land kann es sein, dass die intrareligiösen Geschichten oft noch viel heikler und komplizierter sind als die interreligiösen.

 

Interview und Foto: Theresa Meier