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AGEH führt Orientierungsrahmen für Fachkräfte ein

Korruptionsprävention
Angelica Bergmann, AGEH-Referentin für Personalvermittlung

Seit Dezember 2017 hat die AGEH einen Orientierungsrahmen zur Korruptionsprävention für Fachkräfte und Berater auf Zeit. Wir sprachen mit Angelica Bergmann, AGEH-Referentin für Personalvermittlung, über die Inhalte und wie das Dokument in der Praxis helfen kann.


Warum war es notwendig einen Orientierungsrahmen zur Korruptionsprävention zu erarbeiten?


A.BERGMANN: Als Personaldienst haben wir eine Fürsorgepflicht für die Fachkräfte und müssen in schwierigen Situationen für sie da sein. Darüber hinaus ist es unseren Auftraggebern, besonders denen, die keine eigenen Richtlinien dazu haben, wichtig, dass ihre Fachkräfte dazu eine grundsätzliche Orientierung bekommen und für das Thema sensibilisiert sind. In der Vorbereitung ist Korruptionsprävention schon seit einiger Zeit präsent. Wir hatten aber bislang keinen Orientierungsrahmen oder ein Regelwerk dazu. Als wir für Fachkräfte dazu etwas Verbindliches erarbeiten wollten, haben wir schnell gemerkt, dass das eigentlich der falsche Ansatz ist. Letztlich haben wir dann zunächst eine verbindliche Richtlinie zur Korruptionsprävention für die AGEH-Geschäftsstelle entwickelt und haben davon ausgehend einen Orientierungsrahmen für die Fachkräfte erstellt. Er gibt ihnen Klarheit über Definitionen, Zuständigkeiten und auch über die verschiedenen Rollen und Aufgaben.


Was hat die AGEH als Personaldienst eigentlich mit dem Thema Korruptionsprävention zu tun und wie sind die Fachkräfte davon betroffen?


A.BERGMANN: Mit den uns anvertrauten Mitteln gut und verantwortungsvoll zu haushalten ist eine gemeinsame Aufgabe für uns und alle, die in unsere konkrete Entwicklungszusammenarbeit weltweit eingebunden sind. Als Geschäftsstelle gehen wir mit finanziellen Mitteln um, die wir zweckentsprechend verwenden und über die wir Rechenschaft ablegen müssen. Im Rahmen der Fachkraftvermittlungen verwalten wir Gelder treuhänderisch. Für den Umgang dafür gibt es Regeln und jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sollte darüber Klarheit haben und wissen, wie sie oder er sich korrekt und verantwortungsvoll verhalten muss, wenn sie oder er Anschaffungen macht Aufträge vergibt usw. Fachkräfte arbeiten in Projekten, die finanzielle Mittel von verschiedensten Gebern erhalten und umsetzen und in denen Entscheidungen gefällt werden, bei denen es um die Vergabe von Mitteln geht, um Personalentscheidungen und vieles andere mehr.


Welche konkreten Hilfestellungen gibt der Orientierungsrahmen für die Fachkräfte?


A.BERGMANN: Wir klären darüber auf, wie das Phänomen definiert wird, welche Erscheinungsformen es gibt und welchen Standpunkt die AGEH dazu hat. Zum anderen gibt der Orientierungsrahmen ganz konkrete Hinweise, welche präventiven Maßnahmen eine Fachkraft gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation treffen kann und wie sie sich verhalten sollte, wenn sie oder er mit einem Korruptionsverdacht konfrontiert ist und welche Unterstützung die AGEH dann gibt.


Welche Handlungsgrundsätze gibt der Orientierungsrahmen vor?


A.BERGMANN: Die Integrität der Fachkraft ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir ermutigen sie, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Jeder und jede sollte schauen, wo sie oder er die Möglichkeit hat, präventiv zu handeln. Das kann etwas ganz Einfaches sein, wie z.B. die Einführung des Vier-Augen-Prinzips.  Es geht ja vor allem darum, als Organisation transparent zu arbeiten.

Sollte die Situation auftreten, dass die Vermutung besteht, im Projekt gibt es einen Fall von Korruption, sollten Fachkräfte mit großer Umsicht handeln und zunächst ihre persönliche Sicherheit im Blick haben. Wir ermutigen dann dazu, das Gespräch mit uns zu suchen und bieten damit einen geschützten Rahmen für die Fachkraft.
Wir möchten darüber hinaus auch ganz deutlich machen, dass integrierte Fachkräfte in aller Regel nicht erfolgreich Aufgaben der Korruptionsbekämpfung wahrnehmen können. Das Thema ist sehr sensibel. Unangemessenes Verhalten kann in dem Zusammenhang weitreichende Konsequenzen für die Fachkraft als auch für die Partnerorganisation haben.


Welche Verantwortung hat eigentlich der Dienstgeber in dem Zusammenhang?


A.BERGMANN: Grundsätzlich sollten Dienstgeber eigene Richtlinien zu dem Thema haben. Fachkräfte müssen sich damit vertraut machen und sie befolgen, denn sie sind beim Dienstgeber angestellt und müssen seinen Weisungen folgen. Sie sollten sich auch nach dem lokalen Finanz-Kontrollsystem erkundigen. Die Dienstgeber bekommen häufig Drittmittel oder andere Zuwendungen und von den Geber-Organisationen wird vorausgesetzt, dass es bestimmte Kontrollsysteme für den Finanznachweis gibt. Die Fachkraft muss diese kennen und wissen, wer stellt da eigentlich welche Anforderungen.


Was sollten Fachkräfte niemals tun, wenn sie Korruption vermuten?


A.BERGMANN: Man sollte nie in der Öffentlichkeit  darüber sprechen, auch nicht gegenüber anderen Fachkräften oder bei einem Treffen mit Freunden in der Freizeit. Ein Verdacht kann sich auch als falsch herausstellen und das Image der verdächtigten Person in der betreffenden Partnerorganisation wäre nachhaltig beschädigt.


Welche Rückmeldungen bekommen wir von den Fachkräften in der Vorbereitung zum Orientierungsrahmen?


A.BERGMANN: Das Feedback ist durchweg positiv. Wichtig ist den Fachkräften vor allem, dass die AGEH zum Thema Korruption eine klare Position vertritt.

 

Foto/Text: Katharina Engels