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Veranstaltung mit kolumbianischen Partnern in Berlin

"Wie viel Frieden kommt an?"
Im Gespräch bleiben - der Friedensprozess und die Herausforderungen sind Thema bei ZFD-Fachkräften und Aktivisten

Anfang September fand aus Anlass des Deutschlandbesuchs einer kolumbianischen Delegation ein gemeinsames Treffen der AGEH, Misereor, Brot für die Welt und kolko e.V. in der Zentrale von Brot für die Welt/EWDE in Berlin statt.

 

Die Veranstaltung, mit dem Titel "Zwischen Hoffnung auf Frieden und fortdauernden Konflikten – wie viel Frieden kommt in den ländlichen Regionen Kolumbiens an?", bildete den Abschluss einer einwöchigen gemeinsamen Advocacyreise. Diese nutzten die Friedensakteure und AGEH-Partner des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) aus Kolumbien für Gespräche mit Politikern und Repräsentanten zivilgesellschaftlicher Organisationen und Stiftungen, um auf den andauernden Unterstützungsbedarf für den Friedensprozess aufmerksam zu machen.

 

Insbesondere die deutsche Wirtschaft ist durch unterschiedliche Rohstoffinteressen auf das Engste mit dem Schicksal des Landes verknüpft, so entstammen beispielsweise 20% der nach Deutschland importierten Kohle aus Kolumbien.


Teilnehmer/-innen informieren sich über die aktuelle Lage in Kolumbien

Etwa 60 Teilnehmende, darunter Fachkräfte, in Berlin ansässige Kolumbianer und am Land Interessierte, hatten die besondere Gelegenheit, mit Vertretern aus vier besonders von den Konflikten der vergangenen 50 Jahre betroffenen Regionen ins Gespräch zu kommen. So erlangten sie, ein knappes Jahr nach dem Friedensabkommen mit der FARC, ein umfassendes Bild von der aktuellen Situation gerade in den ländlichen Räumen.

 

Die auf dem Podium anwesenden Vertreter/-innen repräsentierten verschiedene katholische Diözesen, vertreten durch ihre sozialpastoralen Abteilungen, sowie eine juristisch ausgerichtete NGO aus Medellín, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Opfer der Konflikte juristisch zu begleiten und zu unterstützen.

In ihrer Einführung, aus der jeweiligen regionalen Perspektive, machten Adriana Arboleada (Corporación Jurídica Libertad/Medellìn), Winfried Mainzer (Pastoral Social Riohacha/Guajira), Padre Albeiro Parra (Pastoral Social Quibdo) und Juana Zambrano (Pastoral Social Arauca) deutlich, dass der Weg zu wirklichem Frieden in Kolumbien trotz vieler Fortschritte innerhalb der letzten Jahre noch lang und mühselig ist. Nach vier Jahren zäher Verhandlungen haben Regierung und FARC als größte bewaffnete Gruppe im Land zwar ein Friedensabkommen im November 2016 unterzeichnet. Neo-paramilitärische Gruppen und die ELN, als zweitgrößte Guerilla, existieren jedoch weiter und besetzen besonders rohstoffreiche und fruchtbare ehemalige FARC-Territorien.

 

Trotz und gerade aufgrund des Friedensprozesses steigt die Zahl der ermordeten Menschenrechtsverteidiger/-innen weiter, sodass die Menschen im Land nicht von einer Post-Konfliktgesellschaft, sondern von einer Post-Abkommensgesellschaft ("post-acuerdo") sprechen.


Der Beauftragte der Bundesregierung für den Friedensprozess, Tom Koenigs, tauscht sich mit ZFD-Fachkräften und Aktivisten aus.

Anschaulich stellten die Friedensakteure Chancen, aber auch die immensen Herausforderungen dar, die sich aus der aktuellen Situation und der schleppenden Umsetzung des Friedensabkommens ergeben. Gleichzeitig machten sie aber auch eindrücklich deutlich, welche Beiträge für Frieden und Versöhnung eine engagierte Zivilgesellschaft, in einer vom Klima der Gewalt und Vertreibungen geprägten Gesellschaft, leisten kann.


Im Anschluss hatte das Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen und die Gespräche noch weit über das offizielle Veranstaltungsende hinaus zu vertiefen.

 

Text und Fotos: Anika May / Bearbeitung: Theresa Meier