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Konfliktprävention durch Radio

Gewaltfreier Raum für Diskurse
Privat Irakoze, ein Teilnehmer, schneidet Aufnahmen der zuvor gesammelten Interviewsegmente.

In einem einwöchigen, praxisorientierten Workshop konnten elf Mitglieder und Assoziierte der CDJP-Bururi wesentliche Kenntnisse der Friedensarbeit mit dem Radio erlernen. Nach intensiver Auseinandersetzung mit den Prinzipien eines friedensfördernden Radios bekamen die Teilnehmer/-innen Aufnahmegeräte in die Hand und sammelten durch Interviews Stimmen aus der Bevölkerung.


Jeanette Nimpagaritse und Salvator Mbonimpa interviewen einen Bürger zum Thema Landkonflikte.

Man braucht nur um die Mittagszeit durch die Hauptstadt Bujumbura oder durch eine der kleineren Städte Burundis zu laufen: Aus verschiedenen Ecken hört man die Nachrichten aus Radiogeräten oder Handys rauschen. Während die Menschen von einem zum anderen Ort laufen, "klebt" das Radio an ihren Ohren. Bis in die 2000er Jahre konnte noch weniger als die Hälfte der burundischen Bevölkerung lesen und schreiben.

 

Auch wenn die Analphabetenquote heutzutage auf 20% reduziert werden konnte, hat sich das Radio als wichtigstes Informationsmedium etabliert. Zeitungen werden nur in Bujumbura verkauft. Auch wenn die Radiolandschaft durch die politische Krise wesentlich erschüttert wurde, bleibt es für den Großteil der Bevölkerung, insbesondere in den ländlichen Regionen, das einzige Informationsmedium.


In dieser einzigartigen Bedeutung des Radios erkennt die CDJP-Bururi ein bedeutendes Friedenspotential, welches sie für ihre Arbeit nutzen möchte. Emery Mananiyonkuru, der Exekutivsekretär der CDJP-Bururi, schätzt die erhebliche Reichweite des Radios: "In Burundi erreicht das Radio einen sehr großen Teil der Bevölkerung und kann so in kurzer Zeit viele Menschen zu einem bestimmten Thema sensibilisieren. Im Vergleich zu den Printmedien diskriminiert es nicht diejenigen, die nicht lesen können. Das Radio ist ein einfaches Informationsmedium. Man hört ihm einfach zu."


Die Trainerin konzeptualisiert mit den Teilnehmer/-innen eine Radiosendung.

Informieren, sensibilisieren und vorbeugen


Der gleichen Meinung waren auch die Mitglieder der CDJP-Bururi, die im letzten Jahr die Sensibilisierung der Bevölkerung durch Radiosendungen als ein zentrales Mittel in ihrem Strategieplan festlegten. Die Mitglieder möchten Konflikte an ihren Wurzeln packen, Menschen über Konfliktursachen sensibilisieren, um so Verhaltensänderungen zu bewirken und Konflikten präventiv zu begegnen.


Um die nötigen Techniken zu erlernen, wurde im Rahmen des ZFD-Projekts für elf Mitglieder und Assoziierte der Organisation ein Training angeboten. Eine erfahrene Journalistin aus Bujumbura trainierte die Teilnehmer/-innen in den wesentlichen Techniken des Friedensradios. Sie zeigte wichtige Elemente von Radiosendungen. Dazu gehörten allgemeine, aber auch friedensfördernde Bausteine und deren Potentiale. Zum Beispiel dekonstruiere Friedensradio Vorurteile, es biete einen gewaltfreien Raum für Diskurse, es zeige den menschlichen Charakter des Konflikts und die Interessen und Bedürfnisse aller Akteure.


An die Mikros und los! Jeanette Nimpagaritse und Salvator Mbonimpa sammeln Töne aus der Bevölkerung.

Gleiches Erbe für alle Kinder


Um die Konzeption einer Radiosendung praktisch einzuüben, wurde im Workshop ein Thema ausgewählt: Landkonflikte, die durch eine ungleiche Verteilung von Land unter den Kindern entstehen. Es sollte eine Radiosendung produziert werden, die darauf abzielt, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, das Landerbe gerecht unter allen Kindern aufzuteilen, um so mögliche Folgekonflikte zu vermeiden. Für die meisten der Teilnehmer/-innen war es das erste Mal, ein Aufnahmegerät in den Händen zu halten. Trotz anfänglichen Zögerns haben sie später selbstbewusst Leute aus der Bevölkerung sowie einen Juristen interviewt.


Nachdem die Interviewsegmente aufgenommen wurden, konnten die Teilnehmer/-innen wesentliche Schritte in der Verarbeitung der Aufnahmen am Laptop üben: Wie schneidet man verunglückte Fragen heraus? Wie integriere ich mehrere Ausschnitte in eine Audiospur? So konnten letztlich alle wesentlichen Schritte in der Produktion einer Radiosendung eingeübt werden.


Die Teilnehmer/-innen des Workshops mit ZFD-Fachkraft Thomas Mecha (1 vr.)

Neue Möglichkeiten


Emery Mananiyonkuru blickt hoffnungsvoll auf die Möglichkeiten, die sich mit den neu erlernten Fähigkeiten ergeben: "Eine Kooperation mit dem katholischen Sender Radio Maria, der sich stark im Bereich der Evangelisation engagiert, bestand bereits vor dem Workshop. So wurden schon Sendungen von der CDJP-Bururi ausgestrahlt. Nun hoffen wir, Partnerschaften mit weiteren Radios eingehen zu können, um die Reichweite unserer Sendungen zu erhöhen. In Zukunft würden wir gerne Theater-Radio-Stücke produzieren. Menschen können in nachgespielten Konflikten ihre eigene Lebenssituation wieder erkennen und können so leicht lernen, wie sie ihr Verhalten friedensfördernd ändern können."


Ende Juni werden die Teilnehmer/-innen einen Folge-Workshop absolvieren, in dem sie ihre Kenntnisse erneut anwenden und vertiefen können. Ziel wird es sein, eine halbstündige Sendung zu produzieren, die später im Radio ausgestrahlt wird.

 

Text und Fotos: Thomas Mecha / Bearbeitung: Theresa Meier