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Stärkung der Frauenrechte

"Bildung ist die Antwort"
Christl Huber zu Besuch in der AGEH

Seit 15 Jahren ist Christl Huber in der Diözese Merlo-Moreno in Buenos Aires tätig. Die Gemeindereferentin, Sozialwirtin und DLP-Fachkraft der Diözese Augsburg arbeitet aktuell mit der Stiftung "Padre Ángel Caputto" an einer Neuauflage des Hungertuches von Adolfo Pérez Esquivel.

 

Vor 25 Jahren hat der argentinische Friedensnobelpreisträger das Gemälde in Kombination mit einem Kreuzweg für Misereor gemalt. Zusätzlich wird dazu gerade neues Begleitmaterial erstellt. Im Gegensatz zu Deutschland sei das Hungertuch mit dem Titel "Ein neuer Himmel und eine neue Erde" in Argentinien nach wie vor aktuell, betont Christl Huber.

 

Darauf abgebildet sind die Vertreter der lateinamerikanischen Völker und ihrer Kirche. Sie machen auf die vielfältigen Probleme der Vergangenheit und Gegenwart aufmerksam, zeigen aber auch gleichzeitig den menschlichen und kulturellen Reichtum des Subkontinents. In verschiedenen Kirchen in Argentinien oder auch in der ökumenischen Menschenrechtsbewegung (MEDH) in Buenos Aires ist das Hungertuch von Pérez Esquivel zu sehen. 

 

Es ist ein Bild, das den Einsatz für die Armen thematisiert und als Symbol für Hoffnung und Gerechtigkeit gilt. Besonders für die Rechte der Frauen und für einen gerechten Umgang mit ihnen, setzt sich Christl Huber ein. Die Frauen aus den Provinzen und Problemvierteln von Buenos Aires leiden häufig unter häuslicher Gewalt, aber machten noch nicht den Schritt, sich von ihren Männern zu trennen beziehungsweise sie anzuzeigen. "Da muss noch ganz viel passieren, damit sie da eine Lösung finden."


Christl Huber bietet  daher Workshops für die Frauen an, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken, das größtenteils gar nicht mehr vorhanden ist. "Von ihren Männern wird das permanent zerstört und sie trauen sich nichts mehr zu." Schuld sei da ein ganz wichtiges Thema. "Sie fühlen sich für alles immer schuldig."


Auch der Umgang von Konflikten innerhalb der Familie und der Beziehung sei ein wichtiges Thema. In diesem Bereich arbeitet Christl Huber auch mit einer Art Spiegelmeditation, in der man nur seine Augen betrachtet. "Aber die Frauen weigern sich, in den Spiegel zu schauen, sie wollen sich nicht sehen. Ich sage immer: Die Frauen, mit denen ich arbeite, machen den Mund aus zwei Gründen nicht auf. Auf der einen Seite ist es ein symbolischer Grund, weil sie sich nicht wehren und auf der anderen Seite fühlen sie sich einfach nicht schön. Sie haben zum Beispiel häufig keine oder nur noch wenige Zähne, was auch an der schlechten Ernährung liegt." 


Welche Lösungen gibt es? "Bildung ist die Antwort", meint Christl Huber, denn viele Frauen in Argentinien haben noch nicht einmal eine ordentliche Schulausbildung. "Viele sind im jungen Alter schwanger geworden und stehen in einer finanziellen Abhängigkeit zu ihren Männern." Deswegen sei es so wichtig, dass Frauen sich organisieren und auch weiterbilden, egal ob sie einen Schulabschluss nachmachen oder eine Berufsausbildung starten. "Bildung bedeutet ein Weiterkommen, eine Weiterentwicklung von jeder Person."

 

Text und Foto: Theresa Meier