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Fallstudie über Norduganda

Opfer und Täter zusammenbringen
Unsere ZFD-Fachkraft Irene Mukasa-Erben

In Norduganda herrscht heute Frieden. Doch der gewaltsame Konflikt, der hier zwischen Rebellen und Regierung bis noch vor zehn Jahren herrschte, fordert weiterhin seinen Tribut. Systematische Gewalt gegen die Bevölkerung und ihre Vertreibung in Camps hat langfristig die Sozialstruktur angegriffen.

 

Wie werden vor diesem Hintergrund heute Konflikte bearbeitet? Was passiert, wenn ein früherer Straftäter aus dem Gefängnis in seine Gemeinde zurückkommt? Inwiefern tragen juristische und traditionelle Prozesse zu Konfliktbearbeitung und Versöhnung bei?

 
Das sind Fragen, mit denen sich die Studie "Bring back my finger!" beschäftigt, die von der Organisation Advance Afrika zusammen mit dem Refugee Law Project 2016 durchgeführt wurde. Die Studie legt, wie auch Advance Afrika als Organisation selbst, den Fokus auf die Reintegration von Gefängnisinsassen in Norduganda. In Kooperation mit der ugandischen Gefängnisbehörde, unterstützt die NGO insbesondere inhaftierte Jugendliche und Frauen dabei, über Musik und Tanz, wie auch durch Trainings, mit ihrer Vergangenheit umzugehen und sich durch eigene kleine Geschäftsideen eine neue Zukunft aufzubauen.


Das Coverbild der Fallstudie

Daran anknüpfend zeigt die Studie auf, wie Verhaftungen in den Gemeinden als eine Form der Konfliktlösung verwendet werden, da Gemeindemitglieder keinen besseren Ausweg aus strittigen Situationen sehen und bei der Erarbeitung von Lösungsstrategien wenig Unterstützung erhalten. Gleichzeitig werden eben diese Konflikte durch lange Gefängnisaufenthalte und langsame Gerichtsprozesse nur verschlimmert. Die Gefangenen haben das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Die Menschen in ihren Heimatgemeinden, insbesondere die Opfer, können wegen fehlender finanzieller Mittel nur selten am Prozess teilnehmen und wissen häufig nichts über die Ereignisse nach der Verhaftung. Durch ihre lange Abwesenheit verlieren die Gefängnisinsassen ihren Besitz. Die Beziehungen zu Familien und Freunden brechen ab oder verschlechtern sich stark. Wenn sie zurückkommen, haftet ihnen ein Stigma an und sie müssen sich wieder alles neu aufbauen.

 

Während es gerade nach dem Ende des Konfliktes in Norduganda viel Unterstützung für die Versöhnung zwischen ehemaligen Rebellen und ihren Herkunftsgemeinden gab, kümmert sich heute kaum jemand um das Thema Versöhnung nach dem Gefängnis. Es wird davon ausgegangen, dass die entlassenen Häftlinge sich um die Versöhnung mit den Menschen, denen sie Unrecht getan haben, selbst kümmern können. Hierbei erhalten sie aber kaum Hilfe, da weder die Gemeindeverwaltung noch andere soziale Einrichtungen entsprechende Fähigkeiten und Kapazitäten haben.

 

Insofern gibt die Studie Anstoß zur Entwicklung eines Projektes, das genau bei dieser Problematik ansetzt. Dafür arbeitet die Organisation Advance Afrika, die von einer AGEH-Fachkraft unterstützt wird, eng mit der ugandischen Gefängnisbehörde und mit anderen AGEH-Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Das soll nicht nur zu einer besseren Reintegration ehemaliger Gefängnisinsassen führen, sondern auch dazu beitragen, langfristig Verhaftungen und Straftaten zu verringern. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung einer von Gewalt und Krieg gezeichneten Gesellschaft.


Advance Afrika  ist eine ugandische Nichtregierungsorganisation, die seit 2013 besteht und mit Büros in Gulu, Lira, Arua und Kampala insbesondere in Norduganda aktiv ist. Seit 2016 ist Advance Afrika aktiver Partner der AGEH. Die Vision der Organisation ist eine freie und sichere Gesellschaft, in der jeder in Würde leben und seine eigenen Fähigkeiten voll entwickeln kann. Die Studie wurde von Caritas Schweiz finanziert und erhielt in ihrer Finalisierung und Veröffentlichung Unterstützung durch den Zivilen Friedensdienst der AGEH. Die vollständige Studie können Sie hier einsehen > weiterlesen

 

Text und Fotos: Irene Mukasa Erben / Advance Afrika