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Ein Land im Ausnahmezustand

Der Südsudan
Eine zerstörte Kirche im Südsudan

Bewaffnete Regierungstruppen, bewaffnete Rebellen, Kinder, die stark unterernährt sind und Orte, die zu gefährlich geworden sind, als dass man sie aufsuchen könnte. Die Bilder und Nachrichten, die einen aus dem Südsudan erreichen, sind erschreckend.

 

Anfang Juli hat das Land erst seine sechsjährige Unabhängigkeit gefeiert, wobei das Wort "feiern" bei der aktuellen Lage einem wortwörtlich im Halse stecken bleibt. Der souveräne Staat, so wie er auf dem Papier festgehalten ist, kann der Realität nicht standhalten. Seit vier Jahren fordert der Bürgerkrieg im Südsudan unzählige Opfer. Ein Waffenstillstand liegt in weiter Ferne. Von den 12 Millionen Einwohnern haben über eine Million bisher Zuflucht in den Nachbarländern gesucht. Rund sechs Millionen Menschen sind momentan auf humanitäre Hilfe angewiesen.

 

Diese prekäre Situation beeinflusst auch die Arbeit unserer Fachkräfte vor Ort. Es hängt von den sich häufig ändernden Rahmenbedingungen, insbesondere der Entwicklung der Sicherheitslage ab, wo und in welchem Umfang überhaupt inhaltlich gearbeitet werden kann. Dieser Herausforderung müssen sich alle im Südsudan tätigen AGEH-Fachkräfte und die einheimischen kirchlichen Partnerorganisationen, für die sie arbeiten, stellen.


Kritische Lage im "jüngsten Staat der Welt"

Im Bistum Torit gibt es das "Holy Trinity Peace Village", das vom Altbischof der Diözese Paride Taban geleitet wird. Die Vision dieser kleinen Insel der Hoffnung richtet sich auf ein friedliches Zusammenleben verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen. Hier war bereits in der Vergangenheit eine AGEH-Fachkraft im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes für drei Jahre tätig.

 

Die Kirchen im Land sind auf verschiedenen Ebenen in der Friedensarbeit tätig. Es gibt einen ökumenischen Kirchenrat, und die katholische Kirche hat eine "Kommission für Gerechtigkeit und Frieden" gegründet. Zusammen mit der Bevölkerung arbeitet sie in unterschiedlichen Pfarreien.

 

Auch Hilfsorganisationen aus dem Ausland sind vor Ort aktiv. Doch werden sie im Gegensatz zu den Kirchen, die noch eine gewisse Beachtung von den Konfliktparteien erfahren, von der Regierung zunehmend als störende Faktoren gesehen, die die Souveränität des Landes angreifen könnten. Ihre Arbeit wird durch neuerlassene Gesetze behindert.

 

Dennoch sind die Arbeit und Präsenz der Entwicklungshelfer enorm wichtig. Sie zeigen den Menschen vor Ort, dass dort jemand ist, dem ihr Schicksal nicht gleichgültig ist, und dass sie nicht allein sind.