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Traditionelle Begrüßung eines Babys in Nordkamerun

„Voir Bébé“ – Jedes Kind ist eine Segnung


Frauke Disselkötter bekam bei der Zeremonie das Nkui´i, eine traditionelle Speise für die Mutter.

Frauke Disselkötter ist ZFD-Fachkraft für Friedenserziehung und Organisationsentwicklung in Kamerun. Seit 2016 lebt sie mit ihrer Familie in Bafoussam/ Westkamerun.  Anlässlich der Geburt ihres jüngsten Sohnes schildert die Sozialpädagogin mit einem Master in Gender Studies und Politischer Kommunikation  ein besonderes Begrüßungsritual.


Ihre beiden KollegInnen Jean Jules und Viviane stampfen die gekochten Macabo für das Taro.

Im Oktober 2018 ist unser Sohn geboren worden. Aus diesem Anlass haben sich meine Kolleg-/innen der Diözesanen Justicia et Pax Kommission entschieden ein „Voir bébé“ zu veranstalten. Dies ist ein traditionelles Willkommensfest für Neugeborene. Das Baby wird der Gemeinschaft vorgestellt und dadurch eingeführt. Es bringt allen Freude und Segen.


Ihr Mann Elvice übernahm die Aufgabe sich füttern zu lassen.

Das „Voir Bébé“, also „Baby anschauen“, findet im Haus der Mutter statt. Die Gäste, zu denen Familie, Freund/-innen, Bekannte, Kolleg/-innen und die Nachbarschaft zählen, kommen vorbei und bringen das traditionelle Essen mit oder bereiten es vor Ort frisch zu. So machten es auch meine Kolleg-/innen. Sie hatten alle Zutaten eingekauft, um ab dem frühen Morgen in unserem Garten zu kochen. Die übrigen Gäste schenkten kleine Aufmerksamkeiten wie Seife, Trinkwasser und Windeln, die für die Versorgung des Babys wichtig sind. Als Dank für diese Gaben werden den Gästen dann Salz, Maggiwürfel oder auch Seife mitgegeben.


Kollegin Ma Bea kocht Macabo für das Taro, ein weiteres traditionelles Gericht.

Im Westen Kameruns, der Region der Volksgruppe der Bamileke ist das „Nkui´i“ die wichtigste Speise des Tages. Dies ist eine zähe Soße, die aus Baumrinde gewonnen und mit Couscous, einem festen Maisbrei, gegessen wird. Üblicherweise wird die Mutter durch Hilfe eines Blattes mit dem „Nkui´i“ gefüttert, um ihr das Essen, sinnbildlich für  das Leben, zu erleichtern. Es heißt, dass die Milchbildung durch diese Nahrung angeregt und der Bauch der Mutter von möglichen Rückständen der Schwangerschaft gereinigt wird. Es wird generell sehr viel Essen vorbereitet, um zu symbolisieren, dass es der Mutter und somit dem Kind nie an etwas mangeln soll. Die Gemeinschaft ist solidarisch mit der Mutter und unterstützt sie in ihrer Herausforderung ein Kind groß zu ziehen.
Es war ein wunderbarer Tag gemeinsam mit meinen Kolleg-/innen und ich bin ihnen sehr dankbar für diese Erfahrung!

 

Text und Fotos: Frauke Disselkötter