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Als Ehepaar in den Südsudan

"Kein leichter Einsatz"
Christian und Henrike Huber

Die Diplom-Sozialpädagogin Henrike Huber wird mit ihrem Ehepartner, Christian Huber, Filmgestalter und Landschaftsgärtner, im Mai in den Südsudan ausreisen. Sie wird dort für drei Jahre als ZFD-Fachkraft in der Diözese Wau im Bereich kirchliche Friedensarbeit im ländlichen Raum für die "Justice and Peace Commission" tätig sein. Zurzeit befinden sie sich in der Vorbereitungsphase.

 

Wie kam es zu Ihrem Entschluss, im Bereich der Entwicklungsarbeit tätig zu sein?

 

Henrike Huber: Wir beide waren auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe für die nächsten Jahre. So sind wir auf die Entwicklungsarbeit gekommen und damit auf die AGEH getroffen. Wir haben dann eine Ausschreibung von einem Job im Südsudan gesehen, die uns angesprochen hat, nämlich als Friedensfachkraft in der Diözese Wau tätig zu sein. Auf diese Aufgabe freue ich mich jetzt sehr.

 
Christian Huber: Als meine Frau sich beworben hat, habe ich gesagt: "Gut, dann ziehe ich mit." Für mich ist es wichtig, den christlichen Gedanken weiterzugeben und im christlichen Sinne zu helfen. Da kommt mir die AGEH mit einem katholischen Hintergrund sehr gelegen, weil ich das als meine Pflicht ansehe.


In den Ausbildungseinheiten in der AGEH wird auch sehr gut auf mich, auf den mitausreisenden Partner und seine Anliegen eingegangen. Für mich ist es neu, dass ich keine feste Beschäftigung habe. Ich werde mir vor Ort dann etwas suchen. Darauf wurde ohne Probleme eingegangen und mir auch Unterstützung angeboten.

 

Henrike Huber: Das Schöne hier ist, dass man nicht nur als Fachkraft, sondern auch als Mensch, als Familie gesehen wird. Ganz selbstverständlich werden der Partner und die Kinder mitbedacht, damit wir uns gemeinsam, in verschiedenen Rollen, dieser Aufgabe stellen können.

 

Wollten Sie schon immer im Bereich Ziviler Friedensdienst arbeiten?

 

Henrike Huber: Ich habe mich schon als junge Frau für Entwicklungshilfe interessiert. Ich hatte damals aber den falschen Beruf. Zu der Zeit waren eher die Ingenieure oder Landwirte  gefragt. Weil ich keine Möglichkeiten sah, habe ich diesen Gedanken erst einmal auf später verschoben.

 

In den letzten 18 Monaten habe ich mit Flüchtlingen in Wien gearbeitet. Diese Tätigkeit hat mich darin bestärkt, eine sinnvolle Arbeit vor Ort zu machen und nicht zu warten, bis die Leute vor lauter Not ihre Heimat verlassen müssen.
Der Südsudan hat viele Jahre Krieg und Elend erlebt und ist in gewisser Weise auf Unterstützung von außen angewiesen. Natürlich bin ich mir auch der bescheidenen Möglichkeiten bewusst, die ich da als einzelner Mensch habe, um etwas zu verändern. Es geht nicht darum, etwas zu retten, sondern es ist ein ganz kleiner Teil, den ich da einbringen kann. Diesen Beitrag möchte ich auch gerne leisten.

 

Christian Huber: Seit meiner Jugend engagiere ich mich im sozialen Bereich. Zum Beispiel habe ich mich für unterdrückte Minderheiten in Österreich eingesetzt. Später bin ich dann für fast zehn Jahre nach Indien gegangen und habe private Projekte im Himalaya verwirklicht. In diesem Sinne wollte ich weiter tätig sein.

 

Was erwarten Sie von Ihrer Aufgabe vor Ort?


Henrike Huber: Das wird kein leichter Einsatz. Dieser afrikanische Staat hatte schon einmal eine  Aufschwungphase, aber durch diese neuerlichen Auseinandersetzungen ist wieder sehr viel kaputt gegangen. Das wirkt sich dann auch auf meine Arbeit aus, weil zusätzliche Enttäuschungen hinzugekommen sind. Das heißt, man muss, bevor man sich um das friedliche Miteinander kümmert, auf ganz bestimmte Dinge achten, die dort momentan gebraucht werden. Einerseits sind das die materiellen Sachen, anderseits ist es die Gewalt, die dort geherrscht hat, die Spuren auf der Seele hinterlässt und auf die man entsprechend reagieren muss.

 

Wie werden Sie versuchen, mit dieser schwierigen Situation umzugehen?

 

Henrike Huber: Da wird mir die Berufserfahrung helfen. Ich habe immer mit Krisensituationen zu tun gehabt. Für mich ist das nichts Neues. Daher ahne ich, wie es dort sein wird und natürlich wird einem das ein oder andere noch sehr nahekommen. Aber da habe ich jetzt auch die letzten Jahre gelernt, dass man einfach auf sich achten und sich Erholungsphasen nehmen muss. Als Berufsanfängerin hätte mich das bestimmt komplett überfordert. Mein Mann und ich, wir werden uns dabei gegenseitig unterstützen, da können wir uns gut aufeinander verlassen. 

 

Christian Huber: Als mitausreisender Ehepartner sehe ich meine Rolle natürlich auch darin, besonders in der Anfangszeit, dafür zu sorgen, dass meine Frau den Kopf frei hat. Ich fahre mit der Erwartung in den Südsudan, dass dort nichts ist. Wenn etwas da ist, dann ist das toll. Wenn nichts da ist, muss ich dafür sorgen.  Also ich bin auch dafür da, dass meine Frau sich nicht um Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens kümmern muss, sondern dass ich ihr eine Stütze bin, bis sie in ihrem Bereich angekommen ist. Danach werde ich mich um meine Dinge kümmern.  

 

Text und Foto: Theresa Meier