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Training am „Africa Youth Day“ in Sierra Leone

Jugendliche engagieren sich gegen Korruption


"Geld oder Sex als Gegenleistung für gute Noten muss aufhören", sagt Schülersprecherin Aisha Jalloh.

Bildung soll bekanntlich prägen – was aber, wenn Korruption im Bildungssystem so verbreitet ist, dass nicht nur die Aussagekraft von Zeugnissen bezweifelt wird, sondern junge Menschen darüber hinaus bereits ab der Grundschule lernen, dass man mit Bestechung schneller voran kommt und sich Leistung nicht immer lohnen muss?


Die Folgen sind gravierend, für die Qualität der Bildung und noch viel mehr für die Kinder und Jugendlichen, die angesichts der schreienden Ungerechtigkeiten lernen, dass Ehrlichkeit und Leistung weder erwartet noch ausreichend gewürdigt wird. Das ist eine Erfahrung, die prägt und sich im späteren Leben kaum mehr korrigieren lässt. Viele Lehrer drängen zudem ihre Schülerinnen dazu, mit ihnen zu schlafen. Sie vermitteln so, dass es bei Mädchen und Frauen nicht zuerst auf den Kopf, sondern auf den Körper ankommt.

 

“Raising Youth Voices Against Corruption in Africa” -  das diesjährige Motto des „Africa Youth Day“. – sprach den Jugendlichen daher aus der Seele. Dieser Ehrentag, den die Afrikanische Union für den 1. November angesetzt hatte, soll die Jugend Afrikas feiern und ihre Rolle als Entwicklungsmotor anerkennen.


 



ZFD-Fachkraft Christoph Schlimpert (rechts)

 

Anlässlich des Tages veranstaltete WAYN, die Partnerorganisation von ZFD-Fachkraft Christoph Schlimpert, zusammen mit PAN (Patriotic Advocacy Network), ein Training, um Jugendliche verschiedener Schulen im Kampf gegen Korruption zu stärken. Neben Diskussionen und Beratungen durch Vertreter der Antikorruptionskommission sowie des „Campus Peace Clubs“, lernten die Jugendlichen mehr über die Rechtslage und Möglichkeiten gegen korrupte Praktiken vorzugehen. Konkrete Beispiele erfolgreicher Aufdeckung und Verfolgung zeigten, dass der Kampf nicht aussichtslos sein muss.


Wie ernst es den Schülern mit dem Thema ist, offenbarte sich allein schon an der Vielzahl persönlicher Beispiele und Aufrufe. „Geld oder Sex als Gegenleistung für gute Noten muss aufhören. Diese Form der Korruption verhindert, dass sich unser Bildungssystem entwickelt“, sagt Aisha Jalloh, Schülersprecherin der Sierra Leone International Mission Secondary School. Immer wieder wurde der Schutz vor Verfolgung von Whistleblowern als wichtigste Voraussetzung genannt, wenn sich die Dinge ändern sollen. Ein gutes Beispiel dafür war eine für alle vorgeführte Dokumentation. Sie wurde als „Particaptory Video Projekt“ von Studierenden des Fourah Bay Colleges während eines dreimonatigen Praktikums bei WAYN gedreht.


WAYN wird auch im kommenden Jahr den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Marginalisierung im Bildungssystem als primäres Projekt weiterführen. Es wird weiterhin Aufklärungsaktivitäten mit den gerade durch die Antikorruptionskommission wiederbelebten „Accountability“ und „Integrity Clubs“ in den Bildungsinstitutionen geben. Außerdem soll der Dialog zwischen Stakeholdern weitergeführt werden.

Text/Fotos: Christoph Schlimpert