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Mit Mediatoren Lösungen finden

Wem gehört das Land?

Im zentralafrikanischen Burundi häufen sich Konflikte um Landbesitz. Dabei geht es meistens um Erbstreitigkeiten und unklare Grenzziehungen. Ehrenamtliche Mediatoren der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in der Diözese Bururi sind als Vermittler gefragt – auch innerhalb von Familien.

 

Cassien Ndikuriyo hat schon oft erfahren, wie schnell Familienfrieden enden kann. Er erzählt mir von einem Fall in Buyengero, als ein Gericht das Land zwischen Onkel und Neffen in zwei Teile aufgeteilt hatte, aber die Lage ihrer Häuser dabei missachtete. Das Haus des Neffen lag nun offiziell auf dem Land des Onkels und umgekehrt. Zwischen den beiden Männern begann ein unversöhnlicher Streit.

Als Cassien Ndikuriyo hinzugezogen wurde, drohten sie sich gegenseitig an, das Haus des jeweils anderen zu zerstören. „Die Lage war sehr ernst“, erinnert sich Ndikuriyo. „Der Konflikt hatte ein Stadium erreicht, in der es jederzeit zu Gewalt hätte kommen können.“

Ein Fall für Cassien Ndikuriyo, der sich als ehrenamtlicher Mediator der Kommission Gerechtigkeit und Frieden (CDJP) in der Diözese Bururi engagiert. So wie er versuchen viele andere Ehrenamtliche bei Streit um Land zu vermitteln und mit den Konfliktparteien langfristige Lösungen zu finden. Ihr Dienst ist gefragt.

 

Land schafft Identität

In Burundi sind 90 Prozent der Bevölkerung Bauern. Für sie bedeutet der Boden nicht nur Überlebenssicherheit, er hat auch kulturelle Bedeutung und schafft Identität. Die demografische Entwicklung erhöht den Druck auf das Land auf dramatische Weise.

In Burundi leben ca. 10 Millionen Menschen. Während 1990 noch 220 Menschen auf einem Quadratkilometer verteilt wohnten, sind es heute fast doppelt so viele, die vom Ertrag der immer kleiner werdenden Ackerflächen abhängig sind. Dies führt nicht nur zu Nahrungsmittelknappheit, sondern birgt auch Konfliktpotenzial.

Der Streit um Land spielt sich meistens innerhalb von Familien ab. Wenn Land vererbt wird, kämpfen die Erben teilweise erbittert darum. Mitunter auch mit Gewalt, die manchmal bis hin zum Mord eskaliert. In einer Gesellschaft, die bereits durch politische Krisen gebeutelt ist, fehlt es an Vertrauen und Solidarität. Landkonflikte zerreißen immer öfter auch noch die wichtigsten Einheiten gesellschaftlichen Lebens: die Familien.

 

Unklare Grenzziehung

Weil Landflächen selten durch Grenzsteine abgegrenzt sind, geraten auch Nachbarn oft miteinander in Streit. Das Kataster befindet sich in der Hauptstadt Bujumbura und die Registrierung von Land ist mit hohen Kosten verbunden. Bisher wurde nur 1% der Landflächen abgemessen und registriert, die meisten Menschen verfügen über keinen Landtitel.

Die unklaren Verhältnisse erhöhen das Konfliktrisiko. Kommt es zu Streitigkeiten, ziehen die meisten Betroffenen direkt vor Gericht: 80% der registrierten Klagen befassen sich mit Fragen des Landeigentums. Die überforderten Richter erzählen mir, dass viele Menschen erst gar nicht versuchen den Konflikt selbst zu regeln. Sie investieren viel Zeit, Geld und Energie in einen Rechtsstreit.

 

Mediatoren ermöglichen Dialog

Eine Alternative dazu bieten die Mediatoren der CDJP Bururi. Ihr Mediationsdienst ist kostenlos und kann von allen wahrgenommen werden, unabhängig von religiöser Zugehörigkeit. Wenn die Konfliktparteien eine Mediation akzeptieren, schaffen sie einen Raum, in dem beide ihre Perspektiven und Bedürfnisse darstellen. So kann der Dialog zwischen beiden wiederhergestellt werden. Die Mediatoren helfen ihnen dabei, selbst eine Lösung zu entwickeln, die alle Bedürfnisse berücksichtigt und die Rechte aller Beteiligten respektiert.

In der Diözese Bururi mit ihren 22 Gemeinden und 1.400 Basisgemeinden gibt es ein weites Netzwerk an Ehrenamtlichen. Dieses große Friedenspotenzial will die CDJP Bururi nutzen. Sie stärkt die Ehrenamtlichen zum Beispiel durch Fortbildungen zu Mediation und Landrecht und berät sie in komplizierten Fällen. Zudem tauscht sie sich mit ihnen regelmäßig aus und erfährt, wo die Mediatoren erfolgreich in Konflikten vermitteln konnten.

 

Ideen zur Prävention

Ich arbeite seit einem Jahr als integrierter Berater in der CDJP Bururi und unterstütze die Organisation dabei, die Wirkung ihrer Arbeit zu erhöhen. Um noch mehr Landkonflikte friedvoll bewältigen zu können, entwickeln wir unter anderem Strategien, wie wir den Bekanntheitsgrad der Mediatoren vergrößern können. Wir wollen erreichen, dass sich noch mehr Ehrenamtliche für diese Aufgabe ausbilden lassen und wir so ein stärkeres Netzwerk aufbauen können, damit noch mehr Menschen von dem Angebot profitieren können.

Zu meiner Aufgabe gehört es auch, Gedankenprozesse anzustoßen, wie die CDJP Bururi in Zukunft dazu beitragen kann, dass Landkonflikte erst gar nicht auftreten. Denn Mediation hilft zwar Konflikte friedvoll zu bearbeiten, deren Ursachen bleiben jedoch weiterhin bestehen. So habe ich in einem Workshop die Ehrenamtlichen dazu angeregt, präventive Strategien zu entwickeln. Sie planen nun, die Bevölkerung über Methoden der Familienplanung informieren und sie dazu aufzurufen, das Landerbe gerechter unter den Kindern zu verteilen. Auch für eine deutlichere Markierung der Landgrenzen wollen sie die Menschen gewinnen. Zum Beispiel durch die Umunyare-Pflanze, die auch schon zwischen Onkel und Neffe in Buyengero für nachhaltigen Frieden sorgen konnte.

 

Für Versöhnung gesorgt

Das erzählte mir Mediator Cassien Ndikuriyo, der stolz darauf ist, in dem eskalierenden Streit zwischen Onkel und Neffen vermittelt zu haben: „Als Mediatoren der CDJP Buyengero schafften wir es, sie wieder an einen Tisch zu bringen.“ Dass sie das Vertrauen der Bevölkerung genießen, half ihnen auch in dieser aufgeheizten Situation, als neutrale Vermittler gesehen zu werden. „Letztlich äußerten Onkel und Neffe den Wunsch, sich wieder zu versöhnen und das Land neu aufzuteilen, sodass beide in ihrem Haus wohnen bleiben konnten“, sagt Ndikuriyo. „In ihrer Anwesenheit maßen wir das Land neu ab und markierten die Grenzen durch die Pflanze Umunyare.“ Der Familienfrieden war wieder hergestellt.

 

Text und Fotos: Thomas Mecha

 

Zum Autor: Thomas Mecha ist Friedens- und Konfliktforscher und arbeitet seit 2015 als ZFD-Fachkraft bei der Commission Diocésaine Justice et Paix Bururi/Burundi.